Rot-Grün zeigt Schützen kalte Schulter

Wilfried Goebels

Düsseldorf.  Die 570 000 Schützen in NRW müssen weiter bangen, ob das Schützenbrauchtum zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt wird. Der Landtag lehnte mit Mehrheit von SPD, Grünen und Piraten einen CDU-Vorstoß ab, in dem die Landesregierung aufgefordert wurde, einen Antrag zur Aufnahme des Schützenwesens zu unterstützen. In NRW sind 3000 Schützen-Bruderschaften aktiv und leisten bürgerschaftliches Engagement.

Der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas begründete die Absage an eine Festlegung auf die Schützen damit, dass eine unabhängige Jury zunächst die 21 Bewerbungen in NRW prüfen müsse. Auch der rheinische Karneval, Chöre, Bewerber aus Kunst, Musik, Kirche und Handwerk hatten sich um die Aufnahme in die repräsentative Liste des „Immateriellen Kulturerbes“ beworben. Vertreter aller Parteien im Landtag würdigten die Bedeutung der Schützenvereine für den Gemeinschaftssinn.

Der CDU-Abgeordnete Matthias Kerkhoff warf den Grünen vor, die Schützen im Regen stehen zu lassen. „Die Ablehnung des CDU-Antrags zeigt, wie schwer sich die Grünen mit den Schützen tun und mit Traditionen nichts anfangen können.“ In der SPD war beklagt worden, dass der Koalitionspartner auf der Bremse gestanden habe.

Der FDP-Abgeordnete Christof Rasche, einst selbst Schützenkönig im heimischen Erwitte, kritisierte unter Protest der Regierungsfraktionen, dass die Schützenvereine bei Rot-Grün keine ausreichende Wertschätzung erhielten. „Mit überzogenen Sicherheitsbestimmungen, zunehmender Bürokratie und dem rigorosen Rauchverbot beschweren sie den Schützen ihr Ehrenamt“, klagte Rasche. „Rot-Grün sollte den Schützen den Rücken stärken.“

In einem gemeinsamen Antrag beschlossen SPD, Grüne und Piraten, dass der Landtag die Neutralität beim Auswahlverfahren wahrt. Bewusst hatten selbst die Piraten mit Lukas Lamla einen Schützenbruder aus der Hochburg Neuss als Redner ausgewählt, um keine Gräben zu den zahlenmäßig starken Bruderschaften aufzureißen. Die CDU bedauerte, dass ihr Antrag an der Landtagsmehrheit scheiterte. Durch die Aufnahme in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes könne das Bewusstsein für die Bedeutung des Schützenwesens gestärkt werden. Viele Schützenvereine seien auf karitativem und sozialem Gebiet tätig und pflegten die Heimatliebe.