Romney geht mit Ryan volles Risiko

Dirk Hautkapp
Mitt Romney schickt einen wirtschaftsliberalen Katholiken ins Rennen: den 42-jährige Kongressabgeordnete Paul Ryan.
Mitt Romney schickt einen wirtschaftsliberalen Katholiken ins Rennen: den 42-jährige Kongressabgeordnete Paul Ryan.
Foto: ap

Ab sofort fliegen im amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf die Funken. Die Nominierung des Abgeordneten Paul Ryan für den Job des Vize-Präsidenten an der Seite des Republikaners Mitt Romney ist das, was ein Kanister Benzin für offenes Feuer wäre: hoch explosiv.

Kein anderer US-Politiker verfolgt so missionarisch sozial tiefgekühlte Konzepte wie der mächtige Finanzexperte aus Wisconsin. Ryan will die staatlichen Renten-, Sozial- und Krankenversicherungen, die im Zuge der aufs Altenteil strebenden geburtenstarken Jahrgänge finanziell aus dem Ruder laufen, radikal sanieren und den Staatsapparat kleinsparen. Dass die Lasten dabei grotesk einseitig bei Armen und Älteren abge­laden werden, während Reiche weitere Steuergeschenke erhalten sollen und der Militärapparat verschont bleibt, wird die ideologischen Gräben in Amerika weiter vertiefen.´

Unabhängige, liberale und vor ­allem ältere und sozial schwache Wähler sowie Angehörige der Minderheiten von Afro-Amerikanern bis Latinos haben von Paul Ryans Sparkonzept kaum Gutes zu erwarten. Das kann Mitt Romney bei der Wahl in „Schlachtfeld-Staaten“ wie Ohio, Virginia, Pennsylvania und Florida Stimmen kosten. Der 6. November wird eine glasklare Richtungswahl.

Ryan ist charismatischer als Mitt Romney

Eine dämonisierende Kampagne nach dem Motto – Zusammenhalt und Sozialstaat (Obama) oder entsolidarisierte Ellenbogengesellschaft (Romney) – können sich die Demokraten gleichwohl nicht ­leisten. Paul Ryan bringt mehr Sub­stanz, Charisma und Unterstützer auf die Waage als Mitt Romney.

Sein Credo, die enorme Staats­verschuldung mit der Axt und nicht mehr mit dem Seziermesser zu bekämpfen, gilt über das konservative Spektrum hinaus als ein politischer Rohdiamant. Gelingt es den Republikanern, ihn glaubwürdig sozial ­anzuschleifen, ist vieles möglich.

Amtsinhaber Obama muss nun liefern. Am besten eine einleuchtende Erzählung darüber, warum eine dosierte Neuverschuldung vorübergehend unumgänglich ist. Und dass ein Gespann Romney-Ryan Amerika zu einem kaputtgesparten Ort ­machen würde, in dem Oben und Unten weiter auseinanderdriften.