Revierbürger sind enttäuscht von der Bundesregierung

Das Ruhrgebiet sieht sich im Schatten der Bundespolitik.
Das Ruhrgebiet sieht sich im Schatten der Bundespolitik.
Foto: Kerstin Kokoska
Die Bürger im Ruhrgebiet sind tief enttäuscht von der Bundespolitik, und das seit Jahren. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für den Initiativkreis Ruhr. Das Gefühl benachteiligt zu sein, hatten die Revierbürger auch unter der vorherigen Bundesregierung.

Essen.. Fast drei Viertel der befragten Revierbürger glauben laut Umfrage nicht daran, dass die Große Koalition ihre Belange angemessen berücksichtigt. Nur 21 Prozent sind gegenteiliger Ansicht.

Am größten ist die Enttäuschung bei den Selbstständigen. Acht von zehn Unternehmern sehen ihre Interessen von der Bundesregierung enttäuscht, so die Umfrage für den Initiativkreis Ruhr (IR), die dieser Zeitung vorliegt. Die Entfremdung zwischen dem Revier und der Berliner Politik hält schon länger an. Auf die Frage, ob die schwarz-gelbe Bundesregierung das Ruhrgebiet mit seinen Problemen ausreichend gefördert habe, antworteten sogar 79 Prozent der mehr als 1000 Befragten mit Nein.

Die Vergessenen der Bundespolitik

Die fünf Millionen Bürger des Reviers sehen sich offenbar als Vergessene der Bundespolitik. Besonders stößt laut Experten auf, dass die ohnedies gebeutelten Städte trotz hoher Schulden und Arbeitslosigkeit im Rahmen des Solidarpaktes Hunderte Millionen Euro nach Ostdeutschland überweisen müssen. Auch die hohen Belastungen durch die Energiewende werden nach ei­ner früheren Forsa-Umfrage im Revier stark kritisiert.

„Dass sich viele Menschen hier von der Bundesregierung vernachlässigt fühlen, kann ich schon verstehen. In den letzten Jahren hatten wir nicht den Eindruck, dass die Belange des Ruhrgebiets auf der Tagesordnung in Berlin ganz oben standen“, sagte IR-Moderator Klaus Engel.

Bemerkenswert ist der Befund, wonach die Anhänger der Sozialdemokratie im Ruhrgebiet zufriedener mit der Großen Koalition sind als die der CDU. 48 Prozent der SPD-Anhänger zeigen sich zufrieden mit Schwarz-Rot, bei den CDU-Anhängern sind es nur 42 Prozent.

Als Hoffnungsträger gilt Sigmar Gabriel

Während das Zutrauen in die gesamte Bundesregierung mit Blick auf die Interessen des Reviers gering ist, trauen die Bürger Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einiges zu. Beinahe jeder Zweite meint, Gabriel werde ein „guter“ Wirtschaftsminister sein, lediglich sieben Prozent meinen, er werde ein "schlechter" Wirtschaftsminister sein.

„Die Menschen im Ruhrgebiet trauen Sigmar Gabriel eine Menge zu, entsprechend hoch sind die Erwartungen. Das gilt nicht zuletzt für die Energiewende: Es kann doch nicht angehen, dass wir hier jedes Jahr Milliarden zahlen für die Windräder im Norden und die Solardächer in Bayern“, so Engel.

 
 

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