Revier-Unis nur Zuschauer beim Elite-Rennen?

Vorlesung an der RWTH Aachen, die bereits den Status der Elite-Uni besitzt und damit viele Millionen Fördergeld einstreichen konnte. In NRW sind nun auch die Unis Köln und Bochum auf dem Sprung.
Vorlesung an der RWTH Aachen, die bereits den Status der Elite-Uni besitzt und damit viele Millionen Fördergeld einstreichen konnte. In NRW sind nun auch die Unis Köln und Bochum auf dem Sprung.
Foto: dapd
Ein toller Erfolg für die Ruhr-Uni Bochum: Sie kam in die Endrunde des Elite-Wettbewerbs der Universitäten. Die Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund schieden indes aus. Warum?

Essen.. In Bochum knallten die Sektkorken, doch an den Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund gab es lange Gesichter. 2,7 Milliarden Euro hat der Exzellenzwettbewerb zu verteilen, wieder einmal – so klagen viele im Ruhrgebiet – geht der Segen an der Region vorbei. Sind wir nicht gut genug? Was fehlt den Hochschulen, dass sie bei der Jagd um die Millionen nicht einmal an den Start gehen dürfen?

Zunächst: Die Ruhr-Universität Bochum ist ja in dem bundesweiten Wettbewerb eine Runde weiter gekommen! Sie darf sich neben der Uni Köln Hoffnungen machen, ab 2012 zu den wenigen Elite-Unis in Deutschland zu gehören. Ein toller Erfolg, findet auch die Landesregierung. „Wir freuen uns riesig und fühlen uns bestätigt in der Weiterentwicklung unseres Zukunftskonzepts hin zu einem internationalen Forschungscampus“, sagte Rektor Elmar Weiler nach der Verkündung der Jury-Entscheidung.

Der Bochumer Erfolg ist besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund der strukturellen Nachteile, unter denen die Hochschulregion nach wie vor leidet – und das mag auch das Abschneiden der anderen Unis teilweise erklären:

Lehren, nicht forschen

Duisburg und Essen wurden in den 60er-Jahren als Gesamthochschulen gegründet mit dem Auftrag, junge Menschen des Reviers auszubilden. Ihr Gründungsauftrag war ein Lehr-, weniger ein Forschungsauftrag. Zudem waren wesentliche Kräfte bis vor kurzem mit der Fusion beider Unis gebunden. Die Uni Dortmund nennt sich erst seit 2007 „Technische Universität“, die scharfe Fokussierung in Forschung und Lehre auf die Ingenieur- und Naturwissenschaften ist damit noch sehr frisch.

„Der Exzellenzwettbewerb kommt für diese Hochschulen zu früh“, sagt Prof. Detlef Müller-Böling dieser Zeitung. Im Auftrag der Stiftung Mercator hatte der Hochschulexperte und ehemalige Rektor der Uni Dortmund kürzlich in einer Studie die Stärken und Schwächen der Hochschulregion analysiert. So erhalten die Hochschulen vergleichsweise wenig Mittel. Steht den Hochschulen in München und Berlin ein jährlicher Haushalt von 1,9 bis 2,3 Milliarden zur Verfügung, liegt er an der Ruhr bei 1,4 Milliarden, ergab die Studie.

Weniger Bundesknete

Auch die Zahl der außeruniversitären Forschungsinstitute, wie Max-Planck oder Fraunhofer, ist hier vergleichsweise gering. In Berlin sind es 46, in München 21, an der Ruhr: zwölf. Dies ist aus zwei Gründen ein Wettbewerbsnachteil, erklärt Müller-Böling: Zum einen fehlen mögliche Forschungspartner, was wichtig für einen erfolgreichen Antrag beim Elitewettbewerb ist. Zum anderen fließt weniger Forschungsgeld aus Berlin in die Region, denn diese Institute werden zum Großteil vom Bund finanziert. Müller-Böling versteht dies auch als „Appell an die Landespolitik, sich konsequent um die Ansiedlung von Forschungsinstituten zu bemühen“.

Zudem hat das Ruhrgebiet zu wenige Professoren für zu viele Studenten. 65 Studierende werden hier von einem Professor betreut – im Durchschnitt. In München sind es 50. „Die hohe Belastung durch die Lehre lässt den Wissenschaftlern weniger Freiheit, sich in der Forschung zu engagieren“, sagt Müller-Böling.

Einmalig in der Republik

Das alles sind keine Entschuldigungen, nur Erklärungsversuche. Der Ehrgeiz der Wissenschaftler ist groß. Zahlreiche hochkarätige Forschungsvorhaben zeugen davon. Ein Weg, mehr „kritische Masse“ (Müller-Böling) in der Region zu erzeugen, ist eine intensivere Zusammenarbeit, rät der Hochschulexperte: Mit der Hochschulallianz Ruhr (UAMR) haben die drei Universitäten bereits Schritte in diese Richtung unternommen. Müller-Böling: „Was wir hier erleben, ein Zusammenwachsen von unten, ist einmalig in der Republik. Dieser Prozess ist es wert, gefördert zu werden.“

 
 

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