Revier-OB schlagen Alarm in Berlin

Matthias Korfmann

Berlin.  Das Ruhrgebiet will sich heute und morgen in Berlin Gehör verschaffen: Die Oberbürgermeister und Landräte des Reviers sowie der Regionalverband Ruhr werben in der Hauptstadt um Hilfe des Bundes für die wirtschaftlich angeschlagenen und verschuldeten Städte an der Ruhr.

Ullrich Sierau (Oberbürgermeister Dortmund), Arnim Brux (Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises), Michael Makiolla (Landrat Kreis Unna), Frank Baranowski (OB Gelsenkirchen), Jörg Dehm (OB Hagen) und weitere Amtskollegen möchten in Berlin ernste Worte mit den neuen Ministern sprechen: über marode Straßen und veraltete Bahnhöfe im Revier, über eine bezahlbare Energiewende, über sozialen Wohnungsbau und natürlich über die Zuwanderer, die aus Bulgarien und Rumänien ins Ruhrgebiet und dort vor allem nach Dortmund und Duisburg kommen.

Die Revier-Politiker möchten erreichen, dass die Bundesregierung das Ruhrgebiet bei der Vergabe von Fördergeldern besser berücksichtigt. Geld solle vor allem dorthin fließen, wo es besonders dringend benötigt werde. Es ist das erste gemeinsame Auftreten der Ruhr-Rathauschefs vor der Bundespolitik. Sie hatten sich erfolgreich um einen Termin kurz nach der Regierungsbildung bemüht. Bereits im vergangenen Jahr war eine Delegation aus dem Ruhrgebiet zu EU-Politikern nach Brüssel gereist.

„Wir gehen nicht als Bittsteller nach Berlin“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) dieser Zeitung, „aber wir werden dort erklären, dass es im Interesse der ganzen Republik liegt, dass es dem Ruhrgebiet gut geht.“ Gemessen an seiner Einwohnerzahl und seiner Bedeutung habe Nordrhein-Westfalen – und damit das Revier – bisher erheblich weniger Unterstützung für Verkehrsprojekte durch den Bund bekommen als beispielsweise Bayern.

Ullrich Sierau kritisierte vor der Reise scharf die jüngsten Äußerungen aus der CSU über die Migranten aus Südosteuropa. Er sprach von einer „Hexenjagd“, die auch die vielen gut Qualifizierten in diesen Ländern davor abschrecke, in Deutschland Arbeit zu suchen.

„Wir werden in Berlin zeigen, dass es das Ruhrgebiet gibt. Andere Regionen und Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg haben es bisher verstanden, sich besser in Berlin und Brüssel positionieren als wir. Das soll sich ändern“, sagte Karola Geiß-Netthöfel, die Direktorin des Regionalverbandes Ruhr (RVR), vor der Reise.