Revier fühlt sich beim Straßenbau abgehängt

Matthias Korfmann
Die Ankündigung der Landesregierung, den Autobahn-Neubau auch im Ruhrgebiet zu bremsen, stößt vor Ort auf Unverständnis. Das Revier fühlt sich ausgebremst.

Essen. Die Ankündigung der Landesregierung, den Autobahn-Neubau auch im Ruhrgebiet zu bremsen, stößt vor Ort auf Unverständnis. Das Revier fühlt sich ausgebremst.

Die CDU im Ruhrparlament fürchtet nun das Aus für den von ihr geforderten Ausbau der Autobahn A 52 im Essener Norden. Sozialdemokraten aus der Region erinnern daran, dass NRW die Pläne für weitere Straßen stoppt, weil der Bund unserem Land für neue Autobahnen ab 2014 nur noch 132 Millionen Euro im Jahr statt 310 Millionen Euro zugesteht. „NRW und das Ruhrgebiet haben in Berlin offenbar keine Lobby“, sagen viele Politiker frustriert.

Das Ruhrgebiet sieht sich wieder abgehängt, diesmal auf der Autobahn. Die Lan­desregierung stoppt, wie berichtet, viele geplante Straßenprojekte, auch der A 52-Ausbau im Essener Norden steht auf der Kippe. Ganz vom Tisch sind wohl der Ruhrallee-Tunnel und die Verbindung von A40 und A 42 in Essen.

Erst im April hatte das Ruhrparlament mit Stimmen von CDU und Teilen der SPD für den Ausbau der A 52 gestimmt. Entsprechend sauer ist nun CDU-Fraktionschef Roland Mitschke. „Das Revier ist im Landtag und in den Ministerien schwach vertreten“, wettert Mitschke. Er meint: Die A 52 könnte zu einer wichtige Nord-Süd-Verbindung mit­ten im Ruhrgebiet reifen, das Ende der Ausbaupläne wäre ein Schlag für die Region.

NRW hat keine Lobby

Der Bochumer Landtagsabgeordnete Thomas Eiskirch (SPD) stellt sich hinter Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger. Die Streichliste der Regierung ergebe Sinn: „Nun kann man sich zunächst auf die Projekte konzentrieren, die unstrittig sind und die auch tatsächlich eine Chance haben“, so Eiskirch. Den Schwarzen Peter schiebt er der Bundesregierung zu: Süd- und Ostdeutschland würden bei Verkehrsprojekten seit Jahren bevorzugt, NRW habe dort keine Lobby. Tatsache ist: Der Bund fährt die Förderung des Autobahnbaus in NRW mächtig zurück: von heute 310 Milliarden Euro auf 132 Milliarden Euro pro Jahr. „NRW müsste mit einer Stimme sprechen und in Berlin mehr für sich einfordern“, sagt Eiskirch.

Bald viel mehr Laster unterwegs?

Ekhart Maatz aus dem NRW-Verkehrsministerium stimmt nicht ein in das Klagelied. Er erinnert daran, dass sich das Land immerhin auf die Planung von 96 Autobahn-Projekten mit Kosten von 4,3 Milliarden Euro konzentriere. „Damit kann man auch im Revier zufrieden sein. Vorrang genießen wichtige Projekte wie der Ausbau von A 40, A 43 und A 1“, sagte Maatz.

Der Stauforscher Michael Schreckenberg glaubt, dass Investitionen in den Erhalt der heutigen Strecken wichtiger seien als der Bau neuer Autobahn-Stücke. Er sagt einen abnehmenden Pkw- und einen zunehmenden Lkw-Verkehr voraus und damit mehr Straßenschäden. „Wir brauchen eine bessere Verkehrslenkung und -information. Denkbar sei auch eine zeitweise Umleitung von Lkw von der A 40 auf die ­A 42“, so Schreckenberg.