Reporter ohne Grenzen fordert Freilassung von Adil Demirci

Unter Präsident Recep Tayyip Erdogan wurden zahlreiche Journalisten verhaftet.
Unter Präsident Recep Tayyip Erdogan wurden zahlreiche Journalisten verhaftet.
Foto: Kayhan Ozer / dpa
Die Freilassung Deniz Yücels hat wenig an der Lage für Journalisten in der Türkei geändert. Ein weiterer Deutscher sitzt nun in Haft.

Berlin.  Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, rechnet mit einer langen Haft des am Freitag festgesetzten Deutsch-Türken Adil Demirci. „Realistischerweise befürchte ich, dass Adil Demirci für Monate in Haft bleiben wird“, sagte Mihr unserer Redaktion. Mihr sieht auch keine Verbesserung des Verhältnisses zur Türkei nach der Freilassung von Mesale Tolu und Deniz Yücel.

„Man kann maximal von einer lockeren Entkrampfung sprechen“, sagt er. Reporter ohne Grenzen fordert die Freilassung des inhaftierten Adil Demirci sowie seiner beiden Kollegen. Die Journalisten Mesale Tolu hatte auf Twitter über die Festnahme der drei Journalisten berichtet.

Demirci war zusammen mit zwei Kollegen am Freitag vergangener Woche in Istanbul festgenommen worden, wo er sich für einen Kurzurlaub mit seiner an Krebs erkrankten Mutter aufhielt. Demirci arbeitet freiberuflich für die linke Nachrichtenagentur Etha. Für diese war auch die monatelang inhaftierte deutsche Journalistin Mesale Tolu zum Zeitpunkt ihrer Festnahme tätig.

Nach Angaben von Mihr sind derzeit noch weitere vier deutsche Staatsbürger in türkischer Haft. Deren Namen will Mihr zu ihrem Schutz nicht nennen. Generell geht er davon aus, dass die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit dazu beigetragen habe, dass Tolu und Yücel freikamen. „Trommeln hilft, denn erst durch die Aufmerksamkeit wurde der Druck auf die türkische Regierung so groß.“ (sök)