Rechtsextreme horten schwere Waffen und Sprengstoffe

Funde von 2011: Im Zuge der Ermittlungen gegen den NSU sichergestellte Waffen. Die Polizei entdeckt immer häufiger derartige Arsenale.
Funde von 2011: Im Zuge der Ermittlungen gegen den NSU sichergestellte Waffen. Die Polizei entdeckt immer häufiger derartige Arsenale.
Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Gewehre, Pumpguns und Sprengstoffe: Die deutsche Polizei stellt bei Rechtsextremen immer häufiger schwere Waffen sicher. Darunter seien allein bis zu "über 60 Spreng- und Brandvorrichtungen" pro Jahr - die Gefährdung entsprechend "herausragend". Fürs Training treffen sich Rechte auf Schießanlagen.

Essen.. Rechtsextreme sind in Deutschland schwerer bewaffnet als bisher angenommen. Sie verfügen über erhebliche Sprengmittel, planen gezielt deren Einsatz für Anschläge und setzen Waffen auch für Gewalttaten ein. Die Neonazis hätten "eine hohe Affinität zu Waffen und Sprengstoffen", sagt die Bundesregierung. Die Gefährdung sei "herausragend".

Seit dem Auffliegen der NSU-Morde gucken die Sicherheitsbehörden offenbar genauer hin. "In den vergangenen Jahren wurden jeweils circa 20 bis über 60 Spreng- und Brandvorrichtungen als Tatmittel festgestellt", räumt das Bundesinnenministerium auf eine Anfrage der Linkspartei im Bundestag ein. 2012 wurden alleine 44 Straftaten mit neonazistischem Hintergrund mit Spreng- und Brandmitteln festgestellt – nach 63 im Jahr zuvor. 2010 waren es erst 22.

Pistolen, Gewehre und Pumpguns gefunden

Einen direkten Einsatz von Schuss- und Stichwaffen, darunter Pistolen, Gewehre, Messer, Baseballschläger, aber auch Reizgase und Pumpguns, hat die Polizei zwar nur in zwei Prozent aller rechten Gewalt festgestellt. 2012 waren das aber immerhin 350 Fälle – und damit eine Höchstzahl. 2011 wurde dies 224 Mal registriert, 2010 143 Mal.

Alarmierend: Deutsche Rechtsextreme organisieren regelrechte Schießübungen, darunter nicht wenige im Ausland. 16 solcher Veranstaltungen sind den Sicherheitsbehörden seit 1995 bekannt geworden, weitere sechs in Tschechien und jeweils eine in Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und den USA.

Rechte trainieren legal auf Schießanlagen

"Die überwiegende Zahl dieser Aktivitäten erfolgte legal, also auf kommerziell betriebenen Schießanlagen mit vor Ort geliehenen oder zur Verfügung gestellten Waffen", heißt es in der Regierungsantwort. "Dabei kamen unterschiedlichste Waffen zum Einsatz, neben Luftgewehren auch scharfe Pistolen, Revolver, Schrotflinten, Pumpguns und vollautomatische Gewehre." Ob illegal Waffen zum Einsatz kommen, ist offen.

Das Ausland spielt auch bei der Beschaffung des Sprengstoffs eine Rolle. Rechtsextremisten suchen nach dem Regierungsbericht "gezielt an Schauplätzen des 2. Weltkriegs nach verbliebenen Sprengmitteln". Teilweise wurden sie bei der Einfuhr nach Deutschland ertappt. "Vereinzelt reichten die Kontakte bis in ehemalige Bürgerkriegsregionen." Pyrotechnik besorgen sie sich in Osteuropa.

Mehrere Anschläge waren geplant

Besorgt macht die Behörden, dass Neonazis in den letzten Jahren in Deutschland mehrere Anschläge mit Sprengstoffen planten.

München 2003: Mit 1,3 Kilo TNT und 14 Kilo weiterer verdächtiger Substanzen plant die "Kameradschaft Süd" einen Anschlag auf die Eröffnungsfeier der jüdischen Synagoge am 9. November. Die Tat wird vorher vereitelt.

Weil am Rhein, 2009. Die Polizei bekommt einen anonymen Hinweis – und findet bei einem 22-Jährigen ein ganzes Sprengstoffarsenal samt Handbüchern.

Berlin, 2010. Vor einer NPD-Demo macht die Polizei Personenkontrollen – und stellt fest, dass Teilnehmer sieben Mal größere Mengen Schwarzpulver und Trockenbrennstoffe entsorgt haben.

Emmendingen, 2013. Mehrere Rechte versuchen, mit einer an ein Modellflugzeug montierten Rohrbombe ein Sommercamp anzugreifen. Die Planungen fliegen auf.

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