Ranke-Heinemann bewertet Benedikts Pontifikat als "Katastrophe"

Hayke Lanwert
Die Theologin Uta Ranke-Heinemann hat mit Benedikt XVI. studiert. Im Interview zeigt sie sich erschüttert von seiner Bilanz als Papst. Das zurückliegende Pontifikat sei „eine Katastrophe“, sagt sie. Und bezeichnet den Vatikan als „Idealbiotop für keusche Homosexuelle“.

Essen. Frau Ranke-Heinemann, Sie ­kennen Joseph Ratzinger seit bald 60 Jahren, wie haben Sie sein Pontifikat empfunden?

Uta Ranke-Heinemann: Eine Katastrophe! Angefangen bei der Sexuallehre der katholischen Kirche, der Tatsache, dass Papst Benedikt XVI. Kondome nur für männliche Prostituierte erlaubt, bis hin zu dem Wahn von einem Männer-Biotop im Vatikan, das unter Ratzinger verstärkt wurde. Vor Jahren einmal traf ich den Kirchenkri­tiker Hans Küng, und er erklärte mir, nach welchen Prinzipien Bischöfe berufen würden. Prinzip eins sei: keine Skandale mit Frauen. Da schneiden die Homosexuellen am besten ab. Der Vatikan ist das Idealbiotop für keusche Homosexuelle.

Aber als junge Frau waren Sie doch mit ihm befreundet. Wann hat sich Ihre Einstellung zu ihm geändert?

Uta Ranke-Heinemann: Wir studierten in München und übersetzten zusammen Thesen ins Lateinische. Ich war schon verlobt und schätzte ihn, weil er schon ­damals die Aura eines Kardinals ­besaß: hochintelligent bei Abwesenheit jeglicher Erotik.

Ich ­habe mich sehr gefreut, als er Papst wurde. Ich wusste nicht, dass ­vieles, was ich inhaltlich seinem Vorgänger, John Paul the great, ­zuordnete, in Wirklichkeit von ­Joseph Ratzinger geschrieben ­worden war, der seit 1981 Präfekt der Glaubenskongregation war.

Was erhoffen Sie sich für die katholische Kirche vom nächsten Papst?

Uta Ranke-Heinemann: Überhaupt nichts! Das Pontifikat an sich ist schon eine Katastrophe. Die Unfehlbarkeit. Die Sexualmoral und die Frauenfeindlichkeit. Ich habe keine Hoffnung.