Rätselraten um die Absturz-Ursache

Hagen..  Die Ursache für den Absturz von Germanwings-Flug 4U 9525 in den französischen Seealpen bleibt zunächst offen. Die Flugsicherheitsbehörde in Paris erklärte nach einer ersten Auswertung des aufgefundenen Stimmenrekorders, sie werde „einige Tage brauchen, bis wir verstehen, was bei dem Flug passiert ist“. In den Aufzeichnungen seien Stimmen der Piloten zu hören, sagte ein Sprecher der Behörde. Sie müssten noch dem Flugablauf zugeordnet werden. Klar ist: Es hat keine Explosion gegeben.

Vieles deutet jedoch auf einen dramatischen Verlauf der letzten Flugphase hin. Möglich ist es nach dem jetzigen Stand, dass es an Bord zu einem Druckabfall gekommen ist, der eine Bewusstlosigkeit der Piloten ausgelöst hat. Dafür sprechen auch Erkenntnisse der Behörde. So habe der letzte Kontakt zwischen der Flugsicherung in Aix-en-Provence und dem Cockpit zwölf Minuten vor dem Eintritt der Katastrophe stattgefunden. Eine Minute später sei die deutsche Maschine in einen Sinkflug übergegangen, der mit dem Aufprall an einer Bergwand endete. Die französische Luftwaffe hatte in dieser Zeitspanne einen Kampfjet an die Seite des Airbus A 320 beordert, weil sie einen bevorstehenden Terroranschlag befürchtete.

Bei dem Absturz-Drama starben alle 150 Insassen. 72 von ihnen waren nach korrigierten Angaben von Germanwings Deutsche, mindestens 50 stammten aus Nordrhein-Westfalen, dem Ziel des Fluges Barcelona-Düsseldorf. Die Trümmer des Airbus A 320 sind in kleinsten Teilen über das einsame Bergtal verstreut, was die Suche nach Hinweisen auf die Absturzursache erschwert. Wie gestern am späten Abend bekannt wurde, konnten die ersten Opfer geborgen werden. Weiter gesucht wird nach dem zweiten Flugschreiber, der die Flugdaten gespeichert hat. Gestern besuchten Bundeskanzlerin Merkel und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Kraft den Unglücksort.

Die 24 Jahre alte Unglücks-Maschine sei „einer unserer am häufigsten gegroundeten Flieger“ gewesen, sagte ein Germanwings-Pilot dieser Zeitung. Gegroundet bedeutet, dass ein Flugzeug wegen schwerer Störungen am Boden bleiben muss. Bei den Germanwings-Piloten sei der Jet „entsprechend unbeliebt“ gewesen, so der Flugzeugführer. Die Lufthansa-Tochter Germanwings betont aber, Reparaturen am Montag vor dem Absturz stünden nicht mit möglichen Absturz-Ursachen in Zusammenhang.

Die Reise nach Barcelona, die für 16 Schüler aus Haltern am See tödlich endete, wurde ausgelost, wie gestern bekannt wurde. Zu viele Interessenten des Gymnasiums in Haltern hatten sich für das Austauschprogramm gemeldet.

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