Radler und Fußgänger leben gefährlich

Dortmund.  Die Unfallgefahren im Straßenverkehr haben sich zu Lasten der schwächeren Verkehrsteilnehmer verschoben: „Autofahren ist in Nordrhein-Westfalen so sicher wie nie zuvor. Wer aber zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt, lebt gefährlich“, warnt der Landes-Vize der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens. Helmut Simon, früher Leitender Polizeidirektor in Köln, formuliert es drastisch: „Gestorben wird vor dem Auto“.

Hintergrund der Mahnung leitender Polizeibeamter auf einer Verkehrssicherheitstagung der GdP in Düsseldorf ist ein rapider Anstieg der Zahl der schwer verletzten Verkehrsteilnehmer in den ersten neun Monaten des Jahres. Trotz der massiven Ausweitung der Tempo-Kontrollen durch Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) traf es von Januar bis September bisher 9861 Menschen, die mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten – 8,6 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Mertens: „Insbesondere die Zahl der schwer verletzten Fußgänger und Radfahrer ist für den Anstieg verantwortlich“. Der Radfahrer-Anteil liegt bei 31 Prozent, der der Fußgänger bei 25 Prozent.

Die Gewerkschaft der Polizei setzt Bund und Land unter Druck. „Mit Blitzen alleine werden wir die Probleme nicht lösen“, sagt ihr Landesvorsitzender Arnold Plickert. Sie nimmt einen neuen Anlauf, lange Zeit politisch umstrittene Verschärfungen im Verkehrsrecht zu fordern.

Dazu gehören ein generelles Tempolimit von 30 km/h in Städten, von dem nur die großen Verkehrsadern ausgenommen sein sollen, und Tempo 90 auf Landstraßen, wo die Überholunfälle eine hohe Zahl von Todesopfern fordern und im Jahr 2013 allein in Nordrhein-Westfalen 10 317 Unfälle mit Personenschaden verzeichnet wurden.Plickert fordert, auch die Promillegrenze für Radfahrer soll nach Meinung der GdP abzusenken – von heute 1,6 auf künftig 1,1 Promille.

Welche Forderungen auf offene Ohren in der Politik treffen werden, ist unklar. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD in Berlin sieht bisher keine besonderen Verschärfungen vor.

Schon anders sieht es mit dem Wunsch der Polizei aus, das Verfahren „section control“ zum Einsatz kommen zu lassen. Niedersachsen will die Methode testen. In Nordrhein-Westfalen gibt es dagegen noch Datenschutzbedenken.

 
 

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