Radikale greifen Homosexuellen-Kundgebung in Russland an

Russische Polizisten führen einen Gegendemonstranten ab. Insgesamt 23 Störer der genehmigten Kundgebung müssen mit einer Anzeige wegen Rowdytums rechnen.
Russische Polizisten führen einen Gegendemonstranten ab. Insgesamt 23 Störer der genehmigten Kundgebung müssen mit einer Anzeige wegen Rowdytums rechnen.
Foto: reuters
Mit Schmährufen und Fausthieben haben Störer den Abbruch einer Demonstration von Homosexuellen in St. Petersburg provoziert. Die Polizei hat insgesamt 67 Menschen festgenommen. Schwule und lesbische Aktivisten werfen der Polizei vor, sie sei viel zu spät gegen die Angreifer vorgegangen.

Moskau. Nach einer Attacke radikaler Störer auf eine genehmigte Kundgebung für die Rechte Homosexueller in Russland sind in St. Petersburg insgesamt 67 Menschen festgenommen worden. Die Aktivisten warfen der Polizei der Touristenmetropole vor, sie sei viel zu spät gegen die Angreifer vorgegangen. Das meldete die Agentur Interfax am Samstag. Etwa 200 Störer, darunter orthodoxe Christen, hätten die rund 50 Teilnehmer mit Fäusten attackiert, beschimpft und Regenbogenfahnen - das Symbol der Homosexuellenbewegung - zerrissen.

Auf Plakaten prangerten Demonstranten in der zweitgrößten Stadt Russlands ein umstrittenes Verbot von "Homosexuellen-Propaganda" an. Das von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz steht vor den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 in Sotschi international besonders in der Kritik. Die Vorschrift verbietet es, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu reden.

Aktivistin kündigt Beschwerde an

Bürgerrechtler kritisieren, das Gesetz schüre Hass gegen Schwule und Lesben. Befürworter behaupten, das Verbot diene dem Kinderschutz.

Die meisten Festgenommenen seien am Sonntag freigelassen worden, teilte die Polizei mit. Insgesamt 23 Teilnehmer der Kundgebung müssten mit einer Anzeige wegen Rowdytums rechnen. Gegen 44 Störer - darunter Kosaken, die für eine Ordnung nach zaristischer und russisch-orthodoxer Tradition eintreten - seien Bußgeldverfahren eröffnet worden. "Ich kann nicht verstehen, warum die Polizei diese Eskalation vonseiten homophober Radikaler zuließ", sagte die Aktivistin Natalia Zymbalowa. Sie kündigte eine Beschwerde an. (dpa)