Proteste nach Urteilen zu blutigen Fußballkrawallen von Port Said

Der jüngste Richterspruch zu den blutigen Fußballkrawallen von Port Said hat am Nil erneut wütende Proteste nach sich gezogen. Aus Unmut über den Freispruch von sieben Sicherheitskräften setzten aufgebrachte Fans am Samstag in Kairo einen Polizeiklub und das Hauptquartier des ägyptischen Fußballverbands in Brand, wie der TV-Sender Al Dschasira berichtete.

Kairo (dapd). Der jüngste Richterspruch zu den blutigen Fußballkrawallen von Port Said hat am Nil erneut wütende Proteste nach sich gezogen. Aus Unmut über den Freispruch von sieben Sicherheitskräften setzten aufgebrachte Fans am Samstag in Kairo einen Polizeiklub und das Hauptquartier des ägyptischen Fußballverbands in Brand, wie der TV-Sender Al Dschasira berichtete. Zuvor hatte ein Gericht 21 Todesurteile bestätigt, die Ende Januar nach der Stadiontragödie von Port Said gegen radikale Fans ausgesprochen worden waren. Ein Richter verlas dazu eine Namensliste der Verurteilten und erklärte, das Gericht erhalte die "Todesstrafe durch Erhängen" aufrecht.

Zudem wurden in der live im Staatsfernsehen übertragenen Anhörung fünf Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt, 28 weitere jedoch freigesprochen. Tausende Fans des Kairoer Fußballvereins Al-Ahli versammelten sich derweil im Klubhaus vor den Bildschirmen, um die Urteilsverkündung zu verfolgen. Unmittelbar nach den Freisprüchen zogen Dutzende wütende Fans spontan zum nächsten Polizeigebäude. Eine andere Gruppe zündete die Zentrale des Fußballverbands an.

Protestler blockieren kurzzeitig wichtige Brücke

Ferner blockierten einige Anhänger von Al-Ahli für kurze Zeit die belebte Brücke des 6. Oktober, wie Al Dschasira berichtete. Die Lage vor dem belagerten Polizeiklub habe sich jedoch beruhigt, als ältere Fans die aufgebrachten Protestler eindringlich gebeten hätten, die Urteile zu akzeptieren und nach Hause zu gehen. Auch in Port Said selbst versammelten sich laut Al Dschasira hunderte Demonstranten vor dem Büro der örtlichen Regierungsbehörde, um ihrem Ärger über die Richtersprüche Luft zu machen.

Anfang Februar 2012 waren bei Zusammenstößen zwischen Anhängern der Vereine Al Masri und Al Ahli in der Fußballarena von Port Said mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Nach dem Abpfiff hatten Fans von Al Masri den Rasen gestürmt und die Anhänger von Al Ahli angegriffen. Die Sicherheitskräfte schalteten daraufhin das Stadionlicht aus. Zu den Notausgängen fliehende Menschen brachen ein geschlossenes Eisentor auf, viele von ihnen wurden totgetrampelt oder erstickten. Überlebende des Dramas berichteten später von einem Albtraumszenario. Polizisten hätten tatenlos zugesehen, wie Al-Masri-Anhänger im Schutz der Massenpanik mit Messern auf ihre Gegner eingestochen hätten.

Zwei ranghohe Polizisten wurden nun zu jeweils 15 Jahren Haft verurteilt, darunter der frühere Sicherheitschef Essam Samak und der Brigadegeneral Mohammed Saad. Letzterer hatte zum Zeitpunkt der brutalen Ausschreitungen die Schlüsselgewalt über die verschlossenen Stadiontore inne.

In Tagen nach der Fußballtragödie von Port Said wurden bei Unruhen im ganzen Land weitere Menschen getötet. Als die ägyptische Justiz dann Ende Januar wegen der Fußballkrawalle gegen 21 der 73 Angeklagten Todesurteile aussprach, kam es erneut zu blutigen Ausschreitungen mit Dutzenden Todesopfern.

dapd

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