Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Grüne und FDP wollen nur Jamaika – Fliegt die SPD aus der Regierung?

Superwahljahr 2021: Diese Entscheidungen stehen an

Superwahljahr 2021: Diese Entscheidungen stehen an

Im Wahljahr 2021 fallen in Deutschland einige richtungsweisende Entscheidungen. Die wohl wichtigste: Am 26. September wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Wir zeigen Dir, welche Wahlen dieses Jahr anstehen.

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Diese Landtagswahl wurde mit Spannung erwartet: Sachsen-Anhalt war der letzte Stimmungstest vor der Bundestagswahl im September.

Laut INSA-Umfragen hätte die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sogar die stärkste Kraft werden können, doch am Ende machte CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff mehr als deutlich das Rennen. Ein Triumph auch für Kanzlerkandidat Armin Laschet, der seinem Wahlkampf beflügeln könnte.

Jedoch sollte man sich die Zahlen der AfD genau anschauen: Sie offenbaren einen erschreckenden Trend!

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Vorläufiges amtliches Endergebnis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:

CDU: 37,1%, AfD: 20,8%, Linke: 11,0%, SPD: 8,4%, FDP: 6,4%, Grüne: 5,9%

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News-Blog: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021

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Dienstag 8. Juni

10.25 Uhr: Grüne und FDP wollen nur Jamaika – Fliegt die SPD aus der Regierung?

Zwei Optionen weniger für Ministerpräsident Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt. Weil Schwarz-Rot über eine eigene, wenn auch äußerst knappe Mehrheit im Landtag verfügt, lehnen Grüne und FDP ab, in ein solches Bündnis miteinzusteigen. Das bedeutet, dass es keine Fortsetzung der Kenia-Koalition mit CDU, SPD und Grünen geben wird, aber auch keine Deutschland-Koalition mit CDU, SPD und FDP.

Somit bleiben noch zwei Machtoptionen nach der Landtagswahl: Entweder eine schwarz-rote Koalition mit 49 Abgeordneten im Landtag, was genau der nötigen Mehrheit entspricht - oder eine Jamaika-Koalition mit 53 Abgeordneten, also einer größeren Mehrheit im Landtag.

In diesem Fall wären die Sozialdemokraten, die ein enttäuschendes Wahlergebnis eingefahren haben, raus aus der Regierung. Auf Landesebene gibt es bereits ein Jamaika-Bündnis in Schleswig-Holstein.

Allerdings bewerten die Wähler ein solches Jamaika-Bündnis äußerst negativ. Nachwahlbefragungen im Auftrag der ARD ergaben, dass nur 12 Prozent ein solche Koalition gut fanden.

>>> Annalena Baerbock: Sondersendung! ARD wirft für sie Abendprogramm über den Haufen

Montag, 7. Juni

6.14 Uhr: Sachsen-Anhalt: Diese Koalitionen sind möglich

Die künftige Regierung in Sachsen-Anhalt benötigt nach vorläufigem amtlichen Endergebnis 49 der mutmaßlich 97 Sitze im Parlament. Klar dürfte sein: An der CDU kommt keine Koalition vorbei, da keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten will.

Mögliche Koalitionen sind:

  • Die Weiterführung der schwarz-rot-grünen Koalition (Kenia) CDU, SPD und Grüne erreichen 51,4 Prozent und 55 Sitze.
  • Deutschland-Koalition (CDU, SPD und FDP 51,9 Prozent – und 56 Sitze).
  • Jamaika-Koalition (CDU, Grüne und FDP 49,4 Prozent und 53 Sitze)
  • Ganz knapp möglich wäre auch eine Große Koalition (CDU und SPD 45,5 Prozent und 49 Sitze)

6.09 Uhr: Vorläufiges amtliches Endergebnis

Gegen 3 Uhr gab es amtliche vorläufige Endergebnis. Großer Gewinner bleibt die CDU mit 37,1 Prozent (Plus 7,3) – die Christdemokraten gewannen 40 von 41 Wahlbezirken! Zweitstärkte Partei wird die AfD (20,8 Prozent).

Erst dann kommen Linke (11,0%), SPD (8,4%), FDP (6,4%) und Grüne (5,9%).

0.20 Uhr: Reicht es sogar für Schwarz-Rot in Sachsen-Anhalt?

Noch läuft die Auszählung der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Laut der jüngsten Hochrechnung der ARD erreicht die AfD 37%. Es ist immer noch unklar, ob es rechnerisch sogar für eine Koalition aus CDU und SPD reichen könnte. In der ARD-Hochrechnung in Infratest dimap hätte dieses Bündnis punktgenau die Mehrheit im Landtag.

Sonntag, 6. Juni

21.25 Uhr: AfD bei unter 44-Jährigen die stärkste Partei

Die Forschungsgruppe Wahlen analysierte für das ZDF anhand von Nachwahlbefragungen, welche Gruppen wie abstimmten. Demnach schnitt die AfD bei zwei Wählergruppen besonders stark ab!

Bei den Männern erreichte die Partei 29% und damit knapp weniger als die CDU mit 31%. Dagegen holte die AfD bei Frauen nur 18% und die CDU 39%.

Bei unter 30-Jährigen sowie in der Altergruppe zwischen 30-44 Jahren wurde die AfD sogar stärkste Partei! 20% der Wähler unter 30 stimmte für die AfD, die CDU kam hier nur auf 17%.

Bei den Wählern zwischen 30 und 44 Jahren kam die AfD sogar auf 30 Prozent! Schockierende Werte, auch mit Blick auf kommende Wahlen in Sachsen-Anhalt!

Infratest dimap für die ARD meldet, dass sowohl AfD als auch CDU bei den unter 25-Jährigen auf 18% kamen und damit stärkste Parteien wurden.

20.50 Uhr: Friedrich Merz höhnt: „Baerbock-Zug ist heute Abend entgleist

CDU-Wahlkämpfer Friedrich Merz höhnt angesichts des enttäuschenden Wahlergebnis der Grünen: „Der Baerbock-Zug ist heute Abend entgleist.“

20 Uhr: Reicht es in Sachsen-Anhalt für ein Zweierbündnis aus CDU und SPD?

Laut den Zahlen der ARD in der 20-Uhr-Tagesschau würde es nun ganz knapp für ein schwarz-rotes Bündnis reichen. Laut ZDF verfehlt diese Koalition eine Mehrheit. Ausreichende Mehrheiten hätten die Koalitionen Kenia (CDU, SPD, Grüne), Jamaika (CDU, FDP, Grüne) und ein Deutschland-Bündnis aus CDU, SPD und FDP.

ARD: CDU 36,6%, AfD: 22%, Linke: 11%, SPD: 8,4%, FDP: 6,5%, Grüne: 6

ZDF: CDU 36%, AfD 22,9%, Linke 10,7%, SPD: 8%, FDP: 6,8%, Grüne 5,9%, Freie Wähler: 3,1%

>>> SPD: Neues Wahldesaster! Die Partei ist in halb Deutschland am Ende

19.44 Uhr: Hochrechnungen von ARD und ZDF:

Wenig Bewegung bei den Hochrechnungen von ARD und ZDF. Die FDP hängt die Grünen ab - ein Dämpfer für den Wahlkampf von Annalena Baerbock.

ARD: CDU 36,2%, AfD 22,5%, Linke 10,9%, SPD: 8,4%, FDP: 6,5%, Grüne 6,2%, Freie Wähler 3,1%

ZDF: CDU 35,8%, AfD 23,1%, Linke 10,9%, SPD: 8%, FDP: 6,8%, Grüne 6%, Freie Wähler: 3%

>>> AfD in Sachsen-Anhalt eine Volkspartei: In ganz Ostdeutschland fest verwurzelt

18.42 Uhr: Die erste Hochrechnungen aus Sachsen-Anhalt sind da!

Die erste Hochrechnungen sind da! Sie bestätigen den Trend der ersten Prognosen von ARD und ZDF.

Mögliche Koalitionen wären demnach eine Fortsetzung von Kenia (CDU, SPD, Grüne), aber auch ein Jamaika-Bündnis (CDU, Grüne, FDP) sowie eine Deutschland-Koalition (CDU, SPD, FDP). Ein schwarz-rotes Bündnis hat derzeit keine Mehrheit.

ARD: CDU: 35,9%, AfD: 22,7%, Linke: 10,9%, SPD: 8,3%, Grüne: 6,5%, FDP: 6,4%

ZDF: CDU: 35,2%, AfD: 23,3%, Linke: 11%, SPD: 8,2%, Grüne: 6,1%, FDP: 6,9%

18 Uhr: Triumph für CDU-Ministerpräsident Haseloff und Armin Laschet

Mit so einem klaren Vorsprung der CDU haben die Wahlforscher nicht gerechnet! Die CDU kommt voraussichtlich deutlich über 30 Prozent und hängt die AfD klar ab.

ARD: CDU: 36%, AfD: 22,5%, Linke: 11%, SPD: 8,5%, Grüne: 6,5%, FDP: 6,5%

ZDF: CDU: 35%, AfD: 23,5%, Linke: 11%, SPD: 8%, Grüne: 6%, FDP: 7%

Ähnlich wie bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Frühjahr scheint letztlich das Vertrauen in den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff ausschlaggebend für viele Wähler gewesen zu sein. Haseloff ist schon seit 2011 an der Macht. Er hat hohe Popularitätswerte. Auch könnte die Zuspitzung vor der Wahl zwischen CDU und AfD und die Frage, welche der beiden Parteien stärkste Kraft werden könnte, den Christdemokraten zusätzliche Stimmen eingebracht haben.

Ein bitterer Abend dagegen für SPD, Linke und auch Grüne. Die FDP kann dagegen über den Wiedereinzug in den Landtag jubeln. Spannend wird nun die Koalitionsbildung: Kenia-, Jamaika- oder Deutschland-Koalition?

12.45 Uhr: Schwächere Wahlbeteiligung bei Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich bis zum Mittag eine geringere Wahlbeteiligung als 2016 abgezeichnet. Wie die Landeswahlleitung am Sonntag mitteilte, lag die vorläufige Wahlbeteiligung um 12 Uhr bei 22,4 Prozent. Bei der Landtagswahl 2016 waren es zu diesem Zeitpunkt 25,0 Prozent gewesen. Am Ende der Tages lag die Wahlbeteiligung vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt bei 61,1 Prozent.


Rund 1,8 Millionen Menschen sind in Sachsen-Anhalt aufgerufen ein neues Parlament für die nächsten fünf Jahre zu wählen. Es wird mit einem hohen Anteil an Briefwählern gerechnet.

>>> Deutschland-Koalition oder Kenia-Koalition Wer regiert Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl?

11.20 Uhr: Werden ausgerechnet die Grünen die Verlierer der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?

Es wirkt paradox: Nach den letzten Umfragen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt können die Grünen mit Stimmenzuwachs rechnen. Rund 8-9% sind am Wahlsonntag drin, bei der Landtagswahl 2016 reichte es mit 5,2% nur knapp für den Einzug in den Landtag. Sogar das beste ostdeutsche Ergebnis der Grünen wäre denkbar. Bisher sind die 10,8% bei der Landtagswahl in Brandenburg 2019 der Rekord.

Dennoch könnten ausgerechnet die Grünen am Ende zu den Verlierern der Landtagswahl zählen. Hintergrund ist, dass die Partei aus der kommenden Landesregierung fliegen könnte, was auch bundespolitische Auswirkungen haben könnte.

In der Union werden Stimmen lauter, die statt einer Kenia-Koalition (CDU, SPD, Grüne) lieber eine Deutschland-Koalition anstreben, also ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Die Namen sind angelehnt an die jeweiligen Flaggen.

So sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Markus Kurze, dem „Tagesspiegel“ vor der Wahl: „Eine Deutschland-Koalition mit CDU, SPD und FDP wäre sicherlich eine gute Option für Sachsen-Anhalt.“

Ähnlich äußerte sich der CDU-Abgeordnete Detlef Gürth, der bereits seit 1990 im Landtag sitzt: „Ganz klar, mir wäre eine Deutschland-Koalition lieber.“ Laut Gürth werden Landwirte und Forstwirte „wütend, wenn sie Grün hören“.

Für Annalena Baerbock und ihre Kanzlerin-Bestrebung wäre es ein Rückschlag, sollten die Grünen tatsächlich aus der Landesregierung fliegen. Schließlich wird Baerbock bei vielen politischen Initiativen auch Mehrheiten im Bundesrat brauchen.

Zwar hat Sachsen-Anhalt nur vier Stimmen im Landtagswahl, für eine absolute Mehrheit im Bundesrat braucht man allerdings 35 Stimmen. Aktuell sind die Grünen außerdem an den Landesregierungen von Baden-Württemberg (6 Stimmen), Berlin (4), Brandenburg (4), Bremen (3), Hamburg (3), Hessen (5), Rheinland-Pfalz (4), Sachsen (4), Schleswig-Holstein (4) sowie Thüringen (4) beteiligt.

Schlimmer noch: Eine Deutschland-Koalition könnte auch im Bund ein denkbares Bündnis werden nach der nächsten Bundestagswahl, sofern sich die SPD darauf einließe.

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Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:

  • In Sachsen-Anhalt leben knapp 2,2 Millionen Menschen.
  • Landeshauptstadt ist Mageburg.
  • Seit 2002 stellt die CDU den Ministerpräsidenten. Zunächst Wolfgang Böhmer, seit 2011 Reiner Haseloff.
  • Aktuell regiert eine sogenannte „Kenia-Koalition“ das Bundesland, bestehend aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

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8.30 Uhr: Wahllokale in Sachsen-Anhalt öffnen

Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat begonnen. Seit acht Uhr sind die Wahllokale geöffnet, rund 1,8 Millionen können heute ihre zwei Stimmen für den Landtag abgeben.

Ob der amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff auch eine dritte Amtszeit antreten kann, wird sich im Laufe des Tages entscheiden. In jedem Fall steht der CDU wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD bevor, die nach der letzten Wahl 2016 erneut stark abschneiden könnte.

Auch die FDP kann sich Hoffnungen auf den heutigen Wahltag machen – die Partei von Christian Lindner könnte nach zehn Jahren wieder in den Landtag einziehen. Der Linkspartei drohen dagegen Verluste. Die SPD könnte ähnlich wie 2016 abschneiden, die Grünen ihre Stimmen verdoppeln.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gilt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl Ende September und als erste Belastungsprobe für den neuen CDU-Chef Armin Laschet. Erste Prognosen werden mit der Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet.

Samstag, 5. Juni

8.00 Uhr: Umfrage zeigt: AfD ist auf dem Vormarsch

Seit fünf Jahren regiert in Sachsen-Anhalt die deutschlandweit erste Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Ministerpräsident ist CDU-Mann Reiner Haseloff, der in der Wahl 2021 zum dritten Mal ins Rennen geht.

Oppositionsführerin im Landtag ist aktuell die AfD, gefolgt von den Linken. 2016 hatte die AfD in Sachsen-Anhalt mit 24,3 Prozent ihr zweitbestes deutschlandweites Ergebnis eingefahren. Fünf Jahre später könnte die rechtspopulistische Partei um Alice Weidel und Alexander Gauland das Ergebnis noch toppen.

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Mehr Infos zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:

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Laut Umfragen ist eine Mehrheit für das Kenia-Bündnis nicht sicher, weil sich ein Zweikampf zwischen CDU (25 bis 30 Prozent) und AfD (23 bis 26 Prozent) abzeichnen könnte. Mehr zu diesem Thema findest du hier.

Auch der Politologe Wolfgang Schroeder rechnet mit einem starken Ergebnis für die AfD – die sei mit ihrem Oppositionskurs gegen die „orientierungslose“ CDU und die schwarz-rot-grüne Regierung „sehr erfolgreich“ gewesen und habe sie im Streit um die Rundfunkgebühren fast zum Zerfall gebracht. (dpa, kv)