Pro Tag kommen 1000 Flüchtlinge nach NRW

Flüchtlinge in der Turnhalle einer Gesamtschule.
Flüchtlinge in der Turnhalle einer Gesamtschule.
Foto: Jürgen Theobald
Momentan sind landesweit 16 Turnhallen als Notunterkünfte für die Flüchtlinge eingerichtet. Nicht alle werden zum Schulstart wieder freigegeben.

Essen. Nicht alle Turnhallen in NRW, in denen derzeit Flüchtlinge untergebracht sind, werden zum Schulbeginn in zwei Wochen wieder für den Sportunterricht freigegeben. Das bestätigte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD). Ziel sei es zwar, die Hallen so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen, sagte er. „Ob das gelingt, kann derzeit niemand sagen.“

Im Moment sind landesweit 16 Hallen als Notunterkünfte eingerichtet. Die Zahl der Flüchtlinge, die NRW pro Tag erreichen, hat sich auf etwa 1000 verstetigt. Das Land hat bisher 63 Notunterkünfte mit durchschnittlich jeweils 150 Betten eingerichtet. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl angesichts des anhaltenden Zustroms in der kommenden Woche auf 70 steigen wird. „Wir werden weitere Kommunen bitten, Unterkünfte einzurichten“, sagte Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die die landesweite Verteilung koordiniert. Insgesamt sind im Juli 79.000 Asylbewerber nach Deutschland gekommen – eine neue Höchstzahl.

Kasernen sind nicht geeignet

„Das hätten wir uns alle so nicht vorstellen können“, so der Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt. Als Standorte der zukünftigen großen Zeltdörfer für Flüchtlinge stehen bisher lediglich die Polizeischulen in Selm-Bork und in Schloss Holte-Stukenbrock fest. Dort sollen jeweils etwa 1000 Menschen untergebracht werden.

Die Großzelte sind mit festen Böden ausgestattet und beheizbar, so dass sie auch über den Winter genutzt werden können. Ehemalige Kasernen sind in der Regel nicht für Flüchtlinge geeignet. „Wenn diese Gebäude auch nur ein oder zwei Jahre lang leer waren, können wir sie nicht mehr nutzen“, sagte der Arnsberger Regierungspräsident Gerd Bollermann.

Zumeist seien dort Kupferrohre und Stromleitungen gestohlen sowie die sanitären Anlagen und die Fenster zerstört worden. „Der Sanierungsaufwand ist zu groß“, sagte der Behördenchef. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet wegen der enger werdenden Verhältnisse zunehmende Konflikte in den Flüchtlingsunterkünften. Die bislang ruhige Lage um die Unterkünfte in NRW sei keine Selbstverständlichkeit, sagte GdP-Landeschef Arnold Plickert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt angesichts der massiven Stimmungsmache gegen Flüchtlinge vor rechtsextremistischen Anschlägen.

 
 

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