„Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel im Interview zur Sachsen-Wahl: „Mich bestärkt das Wahlergebnis“

Musiker Sebastian Krumbiegel engagiert sich gegen Rassismus.
Musiker Sebastian Krumbiegel engagiert sich gegen Rassismus.
Foto: dpa

Sebastian Krumbiegel hat eine klare Stimme. Die kennt man, die hat man sofort im Ohr, wenn sich wieder ein alter „Prinzen“-Klassiker als Ohrwurm ins Hirn groovt.

Der Sänger und Frontmann der Kultband aus Sachsen hat vor allem aber eine immer lauter werdende politische Stimme. Seit Jahren engagiert sich Krumbiegel gegen Rassismus und für mehr Empathie. Vor wenigen Wochen erst hat er den Song „Die Demokratie ist weiblich“ aufgenommen - mit prominenter Unterstützung von Stars wie Klaas Heufer-Umlauf, Herbert Grönemeyer oder Smudo.

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Der Song sei auch ein Statement vor der Landtagswahl gewesen: „In drei ostdeutschen Bundesländern finden in diesem Jahr Landtagswahlen statt, und manch einer rechnet mit bösen Überraschungen“, so Krumbiegel. Im Interview mit DERWESTEN spricht der Musiker darüber, was sich nach der Wahl in Sachsen ändern muss.

Herr Krumbiegel, sind Sie nach dem Wahlergebnis in Sachsen erleichtert oder erschrocken?

Ganz ehrlich: Zuerst war ich kurz erleichtert. AfD ist nicht stärkste Kraft, was ich eigentlich befürchtet hatte. Als ich dann aber die Analysen hörte, war ich doch schockiert. 70 Prozent der Wähler dieser Partei haben sie nicht aus Protest gewählt, sondern genau ihrer politischen Inhalte wegen.

„Systemwechsel“, das fordern sie. Das ist offene Demokratie-Feindlichkeit. „Sachsen muss deutsch bleiben“, das ist Nationalismus, und der geht mit Rassismus und Antisemitismus Hand in Hand. Es gibt keinen Grund, dass wir uns gegenseitig auf die Schulter klopfen, nach dem Motto „Es ist nochmal gut gegangen“. Nein - wir sollten wachsam bleiben. 27,5 Prozent: Das bedeutet, dass der politische Einfluss von rechtsaußen wächst.

Was muss denn die Landesregierung in den nächsten fünf Jahren anders machen?

Sicherlich ist es wichtig, die Politik der letzten Jahre genau zu analysieren und vor allem zu hinterfragen. Rechtsextremismus ist zu lange bagatellisiert worden. Das ging los bei den Nazi-Aufmärschen am 13. Februar in Dresden, ging weiter bei Pegida und NSU und endet bei der teilweise erschreckenden Einfältigkeit oder sogar Unfähigkeit mit populistischen, rechtsextremen und rassistischen Äußerungen umzugehen.

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Wir müssen diese Dinge klar beim Namen nennen, denn Worten folgen Taten. Das wissen wir nicht erst seit der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Sicher geht es auch darum, die Streitkultur in den Parlamenten zu pflegen. Und last but not least geht es darum, soziale Schieflagen zu beseitigen. Wenn es dir schlecht geht, dann hast du Probleme, und wenn du Probleme hast, dann suchst du dir einen Schuldigen. Sozialer Friede ist wichtiger denn je.

Welche Konsequenzen ziehen Sie für sich ganz persönlich aus dem Wahlergebnis?

Mich bestärkt dieses Wahlergebnis, weiter zu machen. All die kleinen Vereine und Einzelpersonen bestärken, die sich für einen respektvollen Umgang stark machen. Alle Initiativen, die sich klar gegen Nazis stellen, gegen Rassismus und Antisemitismus brauchen nun noch mehr Unterstützung.

Es ist wichtiger denn je, wachsam zu bleiben. Aber um noch etwas Positives zu sagen: Wir sind mehr und wir werden mehr bleiben, denn das wahre Gesicht der Nationalisten kommt mehr und mehr zum Vorschein, und dafür haben die Leute sensible Antennen.

 
 

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