Preiskampf - Billigfleisch empört Bauern im Rheinland

Für ein Kilo Schweinefleisch bekommen Bauern nur noch 1,40 Euro - das reicht für viele Betrieb kaum zum Überleben.
Für ein Kilo Schweinefleisch bekommen Bauern nur noch 1,40 Euro - das reicht für viele Betrieb kaum zum Überleben.
Foto: picture alliance / dpa
Pro Kilo Schwein bekommen Bauern nur noch 1,40 Euro. Den den Landwirten löst das mittlerweile wütende Proteste aus. Ihre Existenz ist in Gefahr.

An Rhein und Ruhr.. Der Preiskampf im Lebensmittelhandel bringt Landwirte in Rage. In Kamp-Lintfort protestierten am Freitag 30 örtliche Bauern vor dem Markt einer großen Kette, die Holzfällersteaks vom Schwein aktuell für 2,44 Euro pro Kilo anbietet – 51% billiger als sonst. „Solche Preise sind eine Ohrfeige für uns Erzeuger, davon kann keiner leben“, schimpfte Johannes-Dieter Hinßen, Initiator des Protestes.

Wenn Fleisch derart billig angeboten werde, könne man es gleich verschenken, meinte der Bauer aus Sonsbeck – was er und seine Kollegen dann auch taten: Sie kauften auf eigene Rechnung einen ganzen Einkaufswagen voll, gaben die insgesamt 55 Kilo Steaks vor der Tür an Passanten ab und bemühten sich, mit denen ins Gespräch zu kommen. Ursprünglich hatten die Landwirte noch ein „Protestgrillen“ veranstalten wollen.

Die Supermarktkette „Real“ betonte auf NRZ-Nachfrage, dass das Angebot nur kurzfristig gelte. „Es ist nicht außergewöhnlich, dass es solche Aktionen gibt. Wir machen die Werbung passend zur Grillsaison“, sagte Unternehmenssprecher Markus Jablonski. Aktuell könne das Unternehmen Fleisch sehr günstig von Schlachthöfen einkaufen, da das Fleisch-Angebot auf dem Markt sehr groß sei. „Diesen Preis geben wir dann an die Kunden weiter“, so Jablonski. Beim Bundesverband des Lebensmittelhandels wollte man die Sache nicht kommentieren.

Kosten nicht mehr gedeckt

Beim Rheinischen Landwirtschafts-Verband sorgt man sich um die Existenz der zuletzt 680 Schweinehalter in der Region (NRW-weit: etwa 8000). Richtig ist: Es gibt derzeit viel Fleisch – wozu auch das im Zuge des Ukraine erlassene Importverbot für EU-Ware in Russland beigetragen hat. Leidtragende sind die hiesigen Bauern, die am Schlachthof derzeit rund 1,40 Euro pro Kilo Schwein erhalten. „Viel zu wenig für die Erzeuger. 1,60 Euro und mehr müssten es schon sein, damit die Kosten gedeckt sind“, sagt Andrea Bahrenberg vom Verband.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte, dass der deutsche Lebensmittelmarkt von wenigen großen Anbietern dominiert werde. Diese spielten ihre Marktmacht aus, machten bei den Preisen Druck — vor allem markenunabhängige Erzeuger bekämen das zu spüren, Bauern eben. „Wenn Verbraucher günstig einkaufen können, ist das zunächst gut“, so Sprecher. Das dürfe aber nicht zu Lasten von Arbeitnehmerrechten oder Tieren gehen.

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