Präsident Poroschenko muss bittere Niederlage eingestehen

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko traf am Mittwoch in der Ost-Ukraine mit Soldaten zusammen.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko traf am Mittwoch in der Ost-Ukraine mit Soldaten zusammen.
Foto: dpa
Die strategisch wichtige Stadt Debalzewo in der Ost-Ukraine ist in der Hand der Aufständischen. Viele ukrainische Soldaten haben sich ergeben.

Debalzewo.. Zwischen den Bauernhäusern am Südrand von Luganskoje liegen die Kämpfer des Freiwilligenbataillons Donbass in Bereitschaft. Ihre Panzerfahrzeuge wirken mager, auf einigen türmen sich Rucksäcke und Isomatten. Stämmige Männer in Khaki und Grün, einige auch in weißen Winteranzügen, stehen mürrisch herum. Reden will keiner.

Die ukrainischen Krieger haben Grund zu schlechter Laune. Der Feind ist dabei, das strategisch wichtige Debalzewo zu erobern, seit Tagen toben Straßenkämpfe, Rebellenführer Alexander Sachartschenko, der dort am Dienstag russischen Kriegsreportern ein spektakuläres Frontinterview geben wollte, wurde am Bein verletzt. Aber seine Soldaten rückten am Mittwoch weiter vor, massiv unterstützt von russischen Berufsmilitärs.

Rebellen berichten triumphierend von sich ergebenden ukrainische Soldaten

Wie die Kiewer Zeitung Westi berichtet, sind sie inzwischen von zwei Seiten ins Stadtzentrum eingedrungen. „Vor 15 Minuten haben die Krieger der russischen Welt mit ,Allach Akbar‘-Rufen die Polizeistation gestürmt“, meldet ein ukrainischer Frontkorrespondent sarkastisch auf Facebook. Die Rebellen berichten triumphierend, ukrainische Soldaten würden sich zu Hunderten ergeben. Der russische Präsident Putin vergoss bereits am Dienstag in Budapest Siegerhäme: „Niederlagen sind immer bitter. Besonders, wenn du früheren Bergarbeitern und früheren Traktoristen unterliegst.“

Am Mittwoch wählte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine dramatische Kulisse für seine Hiobsbotschaft vom Verlust der strategisch wichtigen Stadt Debalzewo. „Heute Morgen haben Streitkräfte und Nationalgarde mit dem organisierten Abzug aus Debalzewo begonnen“, sagt der Staatschef mit Grabesstimme in einer Ansprache. Eiskalt ist es auf dem Rollfeld eines Flughafens in Kiew, im Hintergrund heulen die Motoren seiner Regierungsmaschine. Kurz darauf hebt die Antonow An-74 in Richtung Donbass ab. Es ist für den Staatschef ein bitterer Truppenbesuch im Krisengebiet.

Prorussische Aufständische sehen wichtiges Ziel erreicht

Die prorussischen Aufständischen sehen dagegen ein wichtiges Ziel erreicht. Demonstrativ hissen sie ihre Fahne über Debalzewo. Das russische Staatsfernsehen zeigt, wie Dutzende ukrainische Soldaten von Aufständischen abgeführt werden. Ohne Waffen stapfen die Regierungseinheiten durch den schmutzigen Schnee, vorbei an zerschossenen Panzern und Bergen von Geschosshülsen.

5000 bis 8000 ukrainische Soldaten sollen sich in der Stadt aufhalten. Einige Einheiten haben sich in kleinen Kampfgruppen zu Fuß zurückgezogen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Unian erreichten am Mittwoch 100 bis 150 von 2000 Soldaten der 128. Brigade die eigenen Linien. In der Leichenhalle von Artjomowsk trafen über 20 Särge mit bei Debalzewo gefallenen Ukrainern ein.

Die Schlacht um Debalzewo ist verloren, aber der Krieg ist noch längst nicht vorbei.

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