Positive Reaktionen auf Fracking-Verzicht in NRW

Christopher Onkelbach
Das umstrittene Fracking zur Erschließung von Erdgasvorkommen wird es in NRW vorerst nicht geben. „Der Einsatz der Fracking-Technologie kann derzeit in NRW nicht genehmigt werden“, sagte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Umweltschützer und Bürgerinitiativen begrüßten den Weg des Landes. Der Gasförderer Wintershall sieht hingegen noch Chancen für das Verfahren. Geologen weisen auf mögliche Erdbebenrisiken hin.

Düsseldorf. Fracking-Gegner begrüßen die von NRW-Umweltminister Johannes Remmel vorgestellte Studie zu den Risiken der umstrittenen Gasförder-Technologie. Der BUND und Bürgerinitiativen halten indes an der Forderung eines generellen Bohrverbots fest. „Viele Fragen kann das Gutachten nicht beantworten“, sagte Jörn Krüger, Sprecher der Bürgerinitiativen in NRW. Es gebe derzeit kaum wissenschaftliche Untersuchungen, mit denen eine Gefährdung für die Bevölkerung langfristig ausgeschlossen werden könne.

Für „höchst problematisch“ halten die Kritiker die im Gutachten vorgenommene Unterscheidung zwischen „Probebohrungen“ und „Förderbetrieb“. Man könne kaum glaubhaft vermitteln, weshalb Probebohrungen erlaubt sein sollen, wenn eine spätere Förderung nicht genehmigt werden könne.

Erkenntnislücke schließen

Auch der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent, Wintershall in Kassel, ist mit den Ergebnissen nicht unzufrieden. Das Unternehmen begrüße, „dass der Erforschung neuer unkonventioneller Erdgasvorkommen eine Chance gegeben wird“, teilte Wintershall mit und bezieht sich damit offenbar auf die Möglichkeit, Erkundungsbohrungen ohne Fracking vornehmen zu können.

Es sei „richtig und wichtig“, Erkenntnislücken zu schließen, um am Ende eine Lösung zu finden, erklärte Joachim Pünnel, Leiter der deutschen Wintershall-Aktivitäten. Von den geplanten Voruntersuchungen erhoffe sich das Unternehmen wichtige neue Daten. Dagegen hält Dirk Jansen vom BUND die Fracking-Technologie prinzipiell für unbeherrschbar. Er sieht vor allem durch die eingesetzten Chemikalien Gefahren für das Trinkwasser.

Gefahr von Erdbeben

Auf ein bisher weniger beachtetes Risiko weisen Geologen hin. Es sei möglich, dass durch das Fracking kleinere oder mittlere Erdbeben ausgelöst werden könnten. „Immer, wenn Flüssigkeit in den Untergrund gepresst wird, besteht die Möglichkeit, seismische Ereignisse zu provozieren“, sagt Prof. Jörg Renner, Geophysiker an der Ruhr-Uni Bochum.

Dabei ist es egal, ob es sich um reines Wasser oder einen giftigen Chemikalienmix handelt. Durch die eingepumpten Flüssigkeiten könnten sich unterirdische Spannungen des bis dahin fest ineinander verhakten Gesteins ruckartig lösen, so Renner. Auch der Geologische Dienst NRW stellt fest, „dass durch den Frack-Prozess Erdbeben ausgelöst werden können“.

Geothermische Versuchsanlagen, bei denen Wasser unter hohem Druck in tiefe und heiße Gesteinsschichten gepumpt wird, haben bereits Erdstöße verursacht. So wurde Basel 2006 von einem Beben der Stärke 3,5 erschüttert – das Projekt wurde gestoppt. Kasper Fischer, Leiter des Seismologischen Observatoriums der Ruhr-Uni, erklärt: „Ziel des Frackings ist es ja, Gestein aufzubrechen, um das Gas zu fördern. Das verursacht Brüche.“ Die Frage sei, wie stark sich diese an der Oberfläche auswirken. Ob dies kaum spürbare Minibeben sind oder es zu Schäden kommt, sei ungewiss.