Ponader bittet Piraten zum Abschied um Entschuldigung

Beim Bundesparteitag der Piratenpartei in Neumarkt verabschiedet sich der scheidende Geschäftsführer Johannes Ponader.
Beim Bundesparteitag der Piratenpartei in Neumarkt verabschiedet sich der scheidende Geschäftsführer Johannes Ponader.
Foto: dpa
Er ist das Gesicht der Piraten-Krise - jetzt verschwindet Johannes Ponader aus der ersten Reihe. Der Parteitag zeigt sich mit dem "Sündenbock" versöhnlich - zum Abschied gibt's Blumen und Beifall. Parteichef Bernd Schlömer dagegen tritt in einem Interview gegen Ponader nach.

Neumarkt.. Er hat die Sandalen an. Johannes Ponader schlurft, mit zwei Rucksäcken auf den Schultern, am Mittag lächelnd in die Jura-Hallen in Neumarkt. Es sind jene Öko-Treter mit Klettverschluss, die ihn im Fernsehen berühmt-berüchtigt machten.

Als der "Sündenbock" später zum vorerst letzten Mal die große Piraten-Bühne betritt, hat er doch lieber schwarze Lederstiefel angezogen. Ponader geht gleich auf seine Kritiker zu. Er habe oft die Ansprüche nicht erfüllen können. Dafür bittet er um Entschuldigung.

Piraten verzeihen Ponader seine Alleingänge

Doch verbiegen lassen sollte sich kein Pirat. "Unser Einzug in Parlamente ist nur dann ein Gewinn, wenn wir auf dem Weg dorthin nicht unsere Ideale auf der Strecke lassen müssen", sagt Ponader in seiner emotionalen Rede.

Die Tränen kommen ihm, als er an einen verstorbenen Piraten mit der Mitgliedsnummer 499 erinnert. Zum Abschluss bekommt Ponader, der freischaffende Künstler aus Berlin, viel Applaus und einen Blumenstrauß. Es ist ein deutliches Zeichen, dass die Piraten ihm seine schrägen Alleingänge und Streitereien im Vorstand doch verzeihen können.

Parteichef Bernd Schlömer tritt gegen Ponader nach

Parteichef Bernd Schlömer dagegen hatte Ponader in einem Interview vor dem Parteitag nachgerufen: "Wir Piraten haben ihm nichts zu verdanken." Viel ist von Ponaders Jahr als politischer Manager tatsächlich nicht hängengeblieben. Dem 36-Jährigen allein den Niedergang von 13 auf 2 Prozent Zustimmung in die Schuhe zu schieben, wäre aber zu billig.

Für die Krise verantwortlich sind vor allem ungelöste Strukturprobleme. Mit aller Macht halten Mitglieder und Unterstützer die Fahne der Basisdemokratie hoch, auch wenn das Schiff längst in bedrohlicher Schieflage ist. Immerhin konnte der chronisch schwache Bundesvorstand in Neumarkt einen ersten Erfolg verbuchen. Die Parteiführung setzte ihre Tagesordnung gegen vier Gegenanträge ziemlich flott durch.

Piraten suchen ihr Alleinstellungsmerkmal

Die Piraten haben am Wochenende in Neumarkt durchaus die Chance, einen Schritt aus der Krise zu machen. Das Zauberwort heißt SMV, "ständige Mitgliederversammlung". Viele Piraten wollen sich ihr eigenes Facebook bauen, endlich die lange versprochene Online-Demokratiewelt eröffnen. Auslandseinsatz der Bundeswehr, Koalitionsfrage in Landtagen, welchen Kanzlerkandidaten unterstützen wir - die SMV soll Fraktionen und Vorstand schnell sagen, wo es langgeht. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal gegen die etablierten Parteien. (dpa)

 
 

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