Polizeifehler bei Loveparade?

Schichtwechsel der Beamten soll Einsatz behindert haben. Gewerkschaft weist Vorwürfe zurück

Essen. Das Loveparade-Unglück im Juli 2010 mit 21 Toten ist angeblich maßgeblich durch Polizeifehler mitver­ursacht worden. So berichtet der „Spiegel“ unter Bezug auf ei­nen Bericht der Staats­anwaltschaft Duisburg, ausgerechnet in der kritischsten Phase der Veranstaltung, um 16 Uhr, habe ein Schichtwechsel bei den Beamten statt­gefunden.

Das Un­glück geschah kurz nach 17 Uhr.

Der Schichtwechsel und die Tatsache, dass bei der Bundesnetzagentur zu wenige Polizei-Handys für eine Vorrangschaltung angemeldet worden ­seien, um das Telefonieren bei überlasteten Netzten zu er­möglichen, seien von der Staatsanwaltschaft Duisburg als gravierende Fehler eingeordnet worden. Die Staatsanwaltschaft Duis­burg erklärte gestern, dass sie wegen der ­laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgebe.

Gerade die Hauptthese der Vorwürfe, der Schichtwechsel um 16 Uhr, deckt sich jedoch nicht mit Recherchen der WAZ. So dementiert der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Frank Richter, dass der Wechsel der Polizisten um die fragliche Zeit stattgefunden habe. Er sei vielmehr nach den Erfahrungen bei früheren Loveparade-Veranstaltungen zwischen 14 und 15.30 Uhr fließend vollzogen worden. Der Austausch der Beamten sei vorgezogen worden, weil zwischen 16 und 17 Uhr mit größerem Besucherandrang gerechnet wurde.

Opfer-Verein: Videos belegen früheren Wechsel

„Ich habe heute noch mit Polizisten aus der Kölner Hundertschaft telefoniert, die mir bestätigt haben, sie seien zum Zeitpunkt der Katastrophe schon eineinhalb bis zwei Stunden vor Ort gewesen“, sagte GdP-Sprecher Hegger gestern.

Auch der Journalist Lothar Evers, der mit dem Opfer-Verein „Massenpanik-Selbsthilfe“ die Hintergründe des Unglücks recherchiert, bestätigt, dass es Fotos und Videos gebe, die den Hundertschaft-Wechsel um 15.30 Uhr dokumentieren.

Die Opferorganisation sieht durch den „Spiegel“-Bericht die eigene Einschätzung ­bekräftigt. „Das war kein ­Unglück, sondern eine vorhersehbare Katastrophe. Es hätte jemanden geben müssen, der rechtzeitig ,Stopp!’ ruft“, sagt deren Sprecher Jürgen Hagemann.

 
 

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