Polizei warnt vor Bürgerwehren

Wilfried Goebelsund Annika Fischer

Düsseldorf.  NRW-Innenminister Jäger (SPD) und die Gewerkschaft der Polizei warnen die Bürger davor, auf eigene Faust gegen Einbrecherbanden vorzugehen. In einem Bericht für den Innenausschuss des Landtags greift Jäger unter anderem Vorgänge im Kreis Euskirchen auf. Dort hatte sich der „Junggesellenverein Edelweiß Harzheim 1912“ nach einem Einbruch bei der Ortsvorsteherin entschlossen, mit Taschenlampen und Ferngläsern ausgerüstet, bis zum Ende des Winters täglich „private Überwachungsgänge“ durchzuführen. Inzwischen haben sich Bürger eines Nachbarortes angeschlossen.

In Mönchengladbach haben 72 Anwohner eine private Sicherheitsfirma beauftragt, in zivil oder in Sicherheits-Uniform durch eine Villengegend zu laufen. Fremde werden angesprochen, verdächtige Autokennzeichen notiert. In Radevormwald treffen sich Bürger mit Hunden zu abendlichen Spaziergängen, um Einbrecher abzuschrecken. Nach dem „Jedermannsrecht“ dürfen auf frischer Tat ertappte Täter gewaltlos festgehalten werden, bis die Polizei eintrifft. Die warnt aber, weil die Banden schnell gewalttätig werden können.

Gerade der Trend, private Sicherheitsdienste zu beauftragen, die in Wohngebieten mit Hunden Streife gehen, nimmt nach Angaben des Essener Anbieters Condor zu. Derzeit betreut das Unternehmen neun Viertel im Land, mehrere in Essen, Ratingen und Heiligenhaus, insgesamt haben sich dafür rund 1000 Bürger zusammengetan. Für die „Wohngebietssicherung“ zahlen sie, je nach Zeitaufwand und Mitgliederzahl der auftraggebenden Initiative, etwa in Kettwig 60 Euro monatlich.

Jäger räumte erneut Probleme mit osteuropäischen Einbrecherbanden ein. Nur jeder siebte der 58 000 Wohnungseinbrüche in NRW wurde 2013 aufgeklärt. Jäger bestätigte, dass als Täter zunehmend „mobile überörtliche Einbrecherbanden festgestellt“ werden, die vor allem Regionen mit guter Verkehrsanbindung und Ballungsräume für ihre Anfahrts- und Fluchtwege nutzen. Seit 1980 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW um 50 Prozent gestiegen.