Polizei warnt vor Bürgerwehren gegen Einbrecher

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Die Polizei und der nordrhein-westfälische Innenminister warnen die Bürger davor, mit Bürgerwehren gegen Einbrecher vorzugehen. In mehreren Städten haben sich solche Bürgerwehren gebildet.

Euskirchen/Düsseldorf..  NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) und die Gewerkschaft der Polizei warnen Bürger davor, auf eigene Faust gegen Einbrecherbanden vorzugehen.

In einem Bericht für den Innenausschuss des Landtags greift Jäger unter anderem Vorgänge im Kreis Euskirchen auf. Dort hatte sich der Junggesellenverein „Edelweiß Harzheim 1912“ nach einem Einbruch bei der Ortsvorsteherin im Dezember 2013 entschlossen, mit Taschenlampen und Ferngläsern ausgerüstet, bis zum Ende der Winterzeit täglich „private Überwachungsgänge“ zu unternehmen. Inzwischen haben sich Bürger der Ortschaft Mechernich-Harzheim angeschlossen.

Auch in Radevormwald treffen sich Bürger mit Hunden zu abendlichen Spaziergängen, um Einbrecher abzuschrecken. Nach dem „Jedermannsrecht“ dürfen ertappte Täter gewaltlos festgehalten werden, bis die Polizei eintrifft. Die warnt aber, weil gerade Banden schnell gewalttätig werden könnten.

Nach Angaben des Essener Anbieters Condor liegt es im Trend, private Sicherheitsdienste zu beauftragen, die in Wohngebieten Streife gehen. Derzeit betreut das Unternehmen neun Viertel im Land, mehrere in Essen, Ratingen und Heiligenhaus. Insgesamt haben sich rund 1000 Bürger zusammengetan. Für die „Wohngebietssicherung“ zahlen sie, je nach Zeitaufwand und Mitgliederzahl der auftraggebenden Initiative – etwa in Kettwig rund 60 Euro monatlich. Auch in Mönchengladbach haben 72 An­wohner eine Sicherheitsfirma engagiert, in zivil oder in Uniform durch eine Villengegend zu laufen. Fremde werden angesprochen, Autokennzeichen no­tiert.

Innenminister Jäger räumt Probleme mit osteuropäischen Einbrecherbanden ein. Nur jeder siebte der 58 000 Wohnungseinbrüche in NRW wurde 2013 aufgeklärt. Laut Jäger werden als Täter zunehmend „mobile überörtliche Einbrecherbanden festgestellt“, die vor allem Regionen mit guter Verkehrsanbindung und Ballungsräume für ihre Anfahrts- und Fluchtwege nutzen.

Die Opposition im Landtag sieht in der Eigeninitiative der Anwohner einen Beleg für die wachsenden Ängste vor Einbrecherbanden. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Robert Orth, sagte aber auch: „Die Bildung von Bürgerwehren ist kein geeignetes Mittel im Kampf gegen Kriminalität.“ Das sei „ein Schritt Richtung Anarchie“.

 
 

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