Polizei-Fahnder schlagen Alarm: Der Kripo-Beamte stirbt aus

Wilfried Goebels und Matthias Korfmann
So stellt sich mancher  die Kripo vor –wie das Fernsehteam des Dortmunder Tatorts: Jörg Hartmann (Hauptkommissar Peter Faber), Anna Schudt (Hauptkommissarin Martina Bönisch), Stefan Konarske (Polizeioberkommissar Daniel Kossik) und Aylin Tezel (Polizeioberkommissarin Nora Dalay).
So stellt sich mancher die Kripo vor –wie das Fernsehteam des Dortmunder Tatorts: Jörg Hartmann (Hauptkommissar Peter Faber), Anna Schudt (Hauptkommissarin Martina Bönisch), Stefan Konarske (Polizeioberkommissar Daniel Kossik) und Aylin Tezel (Polizeioberkommissarin Nora Dalay).
Foto: WDR/Herby Sachs
Die 8500 Kriminalbeamten im Land schlagen Alarm: Den „klassischen“ Kommissar, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, gibt es bald nicht mehr.

Düsseldorf. Der klassische Kripo-Beamte stirbt aus – und das hat fatale Folgen, meint jedenfalls der Bund der Kriminalbeamten (BDK): Die Ermittlungen würden immer unprofessioneller, obwohl die Kriminalität, besonders die Einbrüche, zunehme. „Den Ermittlern fehlt heute oft der Sachverstand, bewährte Ermittlungsmethoden finden keine Anwendung mehr“, sagte Reinhard Gerlach, Hauptkommissar aus Oberhausen, der WAZ.

Hintergrund ist die „Einheitsausbildung“ von Schutz- und Kriminalpolizisten, die vor 20 Jahren eingeführt wurde. Bis 1995 wurden Polizeianwärter, die zur Kripo wollten, vom ersten Tag an für diese spezielle Aufgabe ausgebildet. Heute arbeiten die Beamten jahrelang als Schutzpolizisten, bis sich ihnen vielleicht eine Tür zur Kriminalpolizei öffnet.

„In NRW werden praktisch nur Schutzpolizisten rekrutiert“

In einer Anhörung im Landtag kritisierte CDU-Innenexperte Theo Kruse, dass in NRW nur jede zweite der 1,5 Millionen Straftaten im Jahr aufgeklärt werde. Damit sei NRW das schlechteste Flächenland in Deutschland. Kruse verlangte eine neue Polizei-Ausbildung. Nach dem Vorbild von Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin und Hessen sollten sich Anwärter bereits im Hauptstudium für die Schutzpolizei oder Kriminalpolizei spezialisieren. In NRW absolvierten Anwärter nur ein siebenwöchiges Kripo-Fortbildung, klagte Kruse. BDK-Landeschef Sebastian Fiedler hält es für falsch, dass in NRW „praktisch nur Schutzpolizisten rekrutiert werden“.

Innenminister und Gewerkschaften sehen keinen Anlass zur Sorge

Innenminister Ralf Jäger (SPD) will an der gemeinsamen Grundausbildung festhalten. Die Polizeigewerkschaften GdP und DPolG lehnten eine Aufspaltung der Polizeiausbildung strikt ab. Polizisten müssten nach ihrer Ausbildung „berufsfähig, nicht berufsfertig“ sein, sagte DpolG-Vorstand Sascha Gerhardt. Auch GdP-Landesvorstand Volker Huß hielt an der gemeinsamen Ausbildung fest, warb aber für einen Fortbildungsanteil von zehn Wochen bei der Kripo.

Der SPD-Abgeordnete Thomas Stotko erinnerte daran, dass die Forschung keinen Zusammenhang zwischen der Aufklärungsquote und der Art der Polizeiausbildung kenne. Aus Sicht des Präsidenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW, Reinhard Mokros, sind die Polizeianwärter in NRW hervorragend ausgebildet.