Politiker zu Frankfurt: „Das sind doch nur brennende Autos“

150 Polizisten sind verletzt worden. Der Schaden beträgt Millionen. Ein politischer Streit nach den gewalttätigen Protesten von Frankfurt ist nun ausgebrochen. Das Blockupy-Bündnis hat den Protesttag als Erfolg gewertet, andere verurteilen die Ausschreitungen.

Frankfurt/Bochum.  Den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Blockupy-Demonstranten und der Polizei von Frankfurt folgt der politische Streit: Die Ausschreitungen seien vorbereitet, organisiert und gesteuert gewesen und keinesfalls spontan entstanden, sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Der Schaden gehe in die Millionen. Es habe sich um keine friedlichen Demonstranten gehandelt, „sondern um Straftäter“.

Rund 150 Polizisten waren am Mittwoch bei den Auseinandersetzungen rund um die Einweihung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) verletzt worden. Insgesamt nahmen rund 20 000 Demonstranten an den Protesten teil. Das Blockupy-Bündnis sprach von mehr als 200 Verletzten auf Seite der Demonstranten.

Blockupy distanziert sich nicht

Die Protestaktionen haben die Frankfurter Feuerwehr am Mittwoch 55 mal ausrücken lassen. Der Rettungsdienst zählte zudem 280 Einsätze, wie die Feuerwehr mitteilte. Die meisten Verletzungen gingen auf Stürze, Steinwürfe und Reizgas zurück.

Das Blockupy-Bündnis selbst hat den Protesttag als Erfolg gewertet. „Ich distanziere mich nicht von der Gewalt“, sagte Frederic Wester, Sprecher vom „Ums-Ganze-Bündnis“. Hannah Eberle von der „Interventionistischen Linken“ erklärte: „Ich freue mich, dass der politische Widerstand in Deutschland angekommen ist.“

Andere bedauerten die Ausschreitungen. Eberhard Heise vom globalisierungskritischen Bündnis Attac sagte, es habe eine Verabredung über den Rahmen für Blockaden und Aktionen zivilen Ungehorsams gegeben. Einige Teilnehmer hätten sich aber nicht daran gehalten.

Eine ganz eigene Sicht auf die Proteste offenbarte der Grünen-Kommunalpolitiker und Bochumer Ratsherr Karsten Finke. „Das sind doch nur brennende Autos: Beruhigt euch mal wieder!“, schreibt Finke in seinem Blog im Internet. Zu der Szenerie einer Stadt in Flammen merkt Finke an, ihn wundere es „immer wieder, wie die Deutschen ausrasten, wenn hier Pkw angezündet werden. Das könnte auch etwas mit dem ,Auto-Fetisch’ der Deutschen zu tun haben.“

„Politische Kriminelle“

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) dagegen verurteilte die Ausschreitungen. „Ich war sehr wütend auf diese angereisten Chaoten, die Gewalt-Touristen die in unsere Stadt eingefallen sind, Autos angezündet und die Bevölkerung verschreckt haben“, sagte Feldmann am Donnerstag. „Das ist ein Imageschaden für die Stadt, aber auch für das Anliegen der friedlichen Kritiker der Finanzwirtschaft.“

SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann kritisierte die gewalttätigen Randalierer scharf: „Das sind für mich keine Demonstranten, das sind politische Kriminelle.“

 
 

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