Politiker sind so unbeliebt wie nie zuvor

Matthias Korfmann, Gregor Boldt
Das Ansehen von Politikern ist auf einem Tiefstand - nicht nur in Deutschland. Das zeigt der jüngste "GfK Vertrauensindex". (Foto: dapd)
Das Ansehen von Politikern ist auf einem Tiefstand - nicht nur in Deutschland. Das zeigt der jüngste "GfK Vertrauensindex". (Foto: dapd)
Feuerwehrleute genießen wie schon im Vorjahr international weiterhin das größte Vertrauen bei den Menschen. Das hat der in Nürnberg vorgestellte „GfK Vertrauensindex 2011“ ergeben. Geradezu miseralbel schnitten Politiker ab, nicht nur in Deutschland.

Nürnberg/Essen. Das Vertrauen der Deutschen in ihre Politiker ist auf einen historischen Tiefpunkt gesunken. In einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK landen Politiker abgeschlagen auf dem letzten Platz. Nur noch neun Prozent vertrauen ihnen: Im Vorjahr waren es 14 Prozent. Manager, Werbefachleute und Journalisten schneiden ebenfalls schlecht ab.

Großes Vertrauen genießen Feuerwehrleute (98 Prozent) und Ärzte (89 Prozent). Auch Polizisten, Lehrer und Richter haben einen guten Ruf. International fällt die Bilanz ähnlich aus. Besonders misstrauisch gegenüber Politikern sind Tschechen und Rumänen. Befragt wurden 20 000 Menschen in 15 Ländern.

Für den Meerbuscher Kommunikationsexperten Prof. Jo­achim Klewes ist Nähe ganz entscheidend, um Vertrauen zu schaffen. „Immer wenn Politiker konkret persönlich erlebbar werden, kann das Vertrauen der Bürger wachsen“, sagte Klewes. Viele Parlamentarier aber hätten sich zu stark von den Bürgern entfernt. Das Erleben eines Politikers sei schwieriger geworden: „Heute sehen wir Politiker fast nur noch hinter Panzerglas und Absperrungen.“

Saubere Handwerker beliebter als Lichtgestalten

„Es gibt die Vorstellung, dass Politiker viel versprechen, aber wenig halten. Das hat aber wenig mit der Wirklichkeit zu tun“, kommentiert der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann die Umfrage. „Die Verachtung geht zum Glück nicht so weit, dass die Leute gar nicht wählen gehen oder sich für Populisten und Protestparteien entscheiden.“ Laut Alemann vertrauen die Menschen eher jenen, „die den Mund nicht so voll nehmen“. Beliebt seien „die sauberen Handwerker: Olaf Scholz, Thomas de Maizière oder Jens Böhrnsen“. Die Entzauberung des Hoffnungsträgers zu Guttenberg mag zu dem extrem schlechten Umfrageergebnis beigetragen haben, so Alemann.

Auch der Bochumer Politologe Uwe Andersen findet: „Politiker sind besser als ihr Ruf.“ Die alte Vorstellung von der Politik als schmutzigem Geschäft werde in Deutschland von Generation zu Generation weitergereicht. „Fatal ist auch die Sehnsucht nach vermeintlichen Lichtgestalten wie Guttenberg. Und die Mediendemokratie fördert diese Sehnsucht auch noch.“