Politiker rechnen mit 1,5 Millionen Flüchtlingen

Berlin/Düsseldorf..  Politiker in Deutschland rechnen offenbar mit noch einmal deutlich mehr Flüchtlingen. Inzwischen ist von bis zu 1,5 Millionen Zuflucht-Suchenden bis zum Ende des Jahres die Rede.

Die Bundesregierung hält allerdings offiziell an ihrer Prognose für das Gesamtjahr von 800 000 Migranten fest. Die Zahlen der vergangenen Tage und Woche ließen sich nicht einfach hochrechnen, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Die laut „Bild“ in einem Behördenpapier enthaltende Schätzung von bundesweit bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen könne er nicht bestätigen. Laut dem Papier liegt der Familienfaktor angeblich zwischen vier und acht: Ein Flüchtling würde demnach im Durchschnitt neben seinem Ehepartner zwischen drei und sieben Kinder nachholen. CDU-Innenexperte Armin Schuster sagte, 1,5 Millionen Flüchtlinge im Gesamtjahr seien vorstellbar. Er verwies auf die Zahl der unregistrierten Personen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf 290 000 beziffert hatte, sowie auf rund 10 000 registrierte Einreisen pro Tag. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte: „An 800 000 Flüchtlinge im Jahr 2015 glaubt kein Mensch mehr.“

Aus Regierungs- und Koalitionskreisen verlautete, die Bundesregierung scheue sich vor einer neuen Prognose, da höhere Zahlen in Krisenländern als Einladung verstanden würden, nach Deutschland zu kommen. Die Zahlen für September will das Ministerium in dieser Woche vorlegen. In der Koalition wird inzwischen von 220 000 Flüchtlingen im vergangenen Monat ausgegangen. Bayern hält bis zu 280 000 für möglich.

Der anhaltende Flüchtlingsstrom führt die NRW-Kommunen zunehmend an die Grenzen der Belastbarkeit. NRW hat nach Angaben von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 160 000 Flüchtlinge aufgenommen. Davon sind allein 60 000 im September nach NRW gekommen. „Das hätte ich zu Beginn des Jahres nicht für möglich gehalten“, sagte Jäger der WAZ. Der NRW-Städte- und Gemeindebund warnte vor drohender Obdachlosigkeit für Flüchtlinge, weil Kommunen überfordert seien.

In NRW sollen Brandstifter in den vergangenen Tagen gleich zweimal Feuer in Unterkünften für Flüchtlinge gelegt haben. Neben einem mutmaßlichen Anschlag in Xanten gehen die Ermittler auch im sauerländischen Altena von einer Straftat aus.

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