Philipp Mißfelder und Otto Wulff im Doppelpack

Düsseldorf. Philipp Mißfelder ist seit seiner öffentlich bekannten Ablehnung von Hüftgelenks-OPs für 85-Jährige kein Liebling älterer Wähler. Damit sich das ändert, tourt der Vorsitzende der Jungen Union nun im Tandem mit dem 76-jährigen Chef der Senioren-Union Otto Wulff durch die Wahlkampf-Lande.

Otto Wulff (76) nennt Philipp Mißfelder (29) einen „fröhlichen jungen Mann, dessen Optimismus ansteckend wirkt”. Mißfelder bewundert Wulffs „Durchsetzungskraft” und hofft, „ich bin im Alter noch so fit wie er”. Wulff und Mißfelder gehen jetzt wieder verstärkt zusammen auf Tournee.

Zeichen gegen den Generationenkonflikt

Von CDU-Kreisverbänden werden der rüstige Alte und der zielstrebige Junge in Wahlkampfzeiten gerne gebucht. Hier der Chef der Senioren-Union, da der Vorsitzende der Jungen Union, das zieht Publikum. Gemeinsam sollen sie die Bandbreite der Volkspartei repräsentieren. „Wenn die zusammen auftreten, da knallt es richtig im Saal”, schwärmt ein Insider. Das Duo soll verhindern, dass ein Generationenkonflikt die Union zerreißt.

Vor allem die Generation 60 plus hat die CDU dabei als „wichtigste Zielgruppe” im Sinn, da sie als „mehrheitlich wahlbereit” und „mehrheitlich CDU-nah” gilt. Wie die Senioren votieren, kann wahlentscheidend sein.

Die Sache mit den Hüftgelenken

Gerade diese „wichtige Zielgruppe” hatte der junge Philipp Mißfelder vor sechs Jahren mit seinem Zitat „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen” gegen sich und die Union aufgebracht. Deshalb ist es auch nur auf den ersten Blick erstaunlich, dass ausgerechnet Senior Wulff „nach vielen Schmähungen, Beschimpfungen und auch Morddrohungen” (Mißfelder) den jungen Wilden anschließend als Erster wieder eingefangen hat.

Der alte Fuchs holte Mißfelder als Befriedungsaktion in seine Seniorenveranstaltungen. Daraus machte die Parteiführung anschließend ein Generationenprojekt. Wulff: „Wir brauchen doch mehr denn je das Zusammengehörigkeitsgefühl.” Mißfelder hat nach eigenen Angaben damals schnell „viel über die Sorgen und Ängste der älteren Menschen gelernt” und sieht seine Auftritte Seite an Seite mit Wulff heute als Beitrag dazu, „dass der von allen befürchtete Generationenkrieg nicht ausbricht”.

Streit auf offener Bühne

Eine Einheit bilden Wulff und Mißfelder nicht. Sie streiten weiterhin offen über Fragen zur Rente und zur Krankenversicherung, aber mit- und nicht gegeneinander. Vor allem beim Thema Rente kommen bei den Veranstaltungen die Senioren und die Generation der Enkel selten überein. Mißfelder: „Die Jungen wollen auch etwas zurücklegen können, die Älteren pochen mit Recht auf ihre Lebensleistung.”

Trotz Wulff und Mißfelder im Doppelpack ist auch in der Union der Generationenkonflikt nicht gelöst, aber wenigstens ein bisschen entschärft. Innerparteilich gilt das Tandem längst als „Kult”. „Die beiden kommen wirklich gut an”, zollt der streitbare NRW-Vorsitzende der Senioren-Union, Leonhard Kuckart, ihnen Respekt. „Aber die Probleme werden damit nicht gelöst”, warnt er. Ohne grundlegende Reformen etwa in der Gesundheitspolitik „werden die Alten auf Dauer nicht ruhig bleiben”.

Tandem gilt in der Partei als „Kult”

Bei der SPD betrachtet man das Duo eher mit Spott. „Den Mißfelder auf ältere Leute loszulassen, ist eine Zumutung”, poltert NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek. „Wir brauchen so ein Tandem nicht, wir sind generell dafür, dass es bei Bedarf für 10- bis 100-Jährige eine neue Hüfte gibt.” Auch nach sechs Jahren holt Philipp Mißfelder sein Hüftgelenk-Zitat ein. Heute würde er es nicht wiederholen. Er habe inzwischen aber gelernt, „dass die Konflikte zwischen Jung und Alt längst nicht so groß sind wie Konflikte innerhalb einer Generation”.

 
 

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