Pflicht zu "Edel-Taschenrechnern" steht jetzt auf der Kippe

Die Pflicht zu teuren Taschenrechner könnten doch noch kippen. Die Kritik an der geplanten Einführung der grafikfähigen Taschenrechner ebbte zuletzt nicht ab.
Die Pflicht zu teuren Taschenrechner könnten doch noch kippen. Die Kritik an der geplanten Einführung der grafikfähigen Taschenrechner ebbte zuletzt nicht ab.
Foto: dpa
Die flächendeckende Einführung der grafikfähigen Taschenrechner (GTR) für die gymnasiale Oberstufe könnte doch noch kippen. Nach massiver Kritik forderte die SPD Schulministerin Löhrmann dazu auf, ihren Erlass für Alternativlösungen zu öffnen. Fachleute hatten zuvor den Rechner-Erlass kritisiert.

Düsseldorf. Die umstrittene Einführung des grafikfähigen Taschenrechners (GTR) im Mathematikunterricht zum 1. August steht auf der Kippe. Nach massiver Kritik bei der gestrigen Anhörung im Landtag drängte die SPD Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), ihren Erlass schnell nachzubessern.

Um Familien von Kosten zu entlasten, sollten Schulen selbst entscheiden, ob sie ganze Klassensätze anschaffen, ob Eltern den Rechner kaufen müssen oder eine andere Technik genutzt werden kann, so die SPD.

Bisher will Löhrmann den GTR verpflichtend in der gymnasialen Oberstufe und an berufliche Gymnasien einsetzen. Das Gerät kostet rund 70 bis 100 Euro. Eva-Maria Voigt-Küppers und Renate Hendricks (beide SPD) nannten die Technik „nicht zukunftsorientiert“ und forderten eine Öffnungsklausel.

Darüber solle Löhrmann mit allen Fraktionen beraten. Die Eltern brauchten zudem Gewissheit, dass der Rechner länger genutzt werden kann als nur in der Oberstufe.

Experten hielten Einführung der Taschenrechner für "unsinnig"

Auch die Piraten wollen Korrekturen. Experten hätten die „Unsinnigkeit“ der Taschenrechner-Einführung bestätigt. Die Abgeordnete Monika Pieper forderte von Löhrmann, stattdessen auch Tablets oder Laptops zuzulassen. Petra Vogt (CDU) verlangte pragmatische Lösungen, mit der auch Täuschung bei Klassenarbeiten weitgehend vermieden werden kann.

Zuvor hatten Fachleute in der Anhörung einhellig den Rechner-Erlass kritisiert. Die technische Entwicklung habe die Planungen längst überholt, so Dorothea Schäfer, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Außerdem monierte die GEW-Vorsitzende, dass die Rechner außerhalb der Schulen nicht zum Einsatz kämen, weder in Uni-Klausuren noch im Alltag. Peter Silbernagel, Chef des NRW-Philologenverbands, rechnet ebenfalls damit, dass der Erlass verbessert wird.

Jede Schule soll eigenen Weg finden

Fachlehrer, die als Sachverständige in den Schulausschuss geladen warten, schlugen andere Wege der Finanzierung vor. So seien Mietkäufe oder die Unterstützung durch Sponsoren eine Möglichkeit für Eltern, die sich beispielsweise kein Tablet leisten könnten. Jede Schule müsse ihren eigenen Weg finden. „Geben Sie den Schulen die Möglichkeit, den Weg einmal auszuprobieren“, so der Appell an Löhrmann.