Pfarrer aus Lingen ruft Asylgegner zu Kirchenaustritt auf

Walter Baú
Klare Worte eines Priesters: „Alle, die sich noch als Christin und Christ bezeichnen, sollten ganz klar wissen, dass Solidarität mit den Armen, den Flüchtlingen und Bedrängten stets und zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche waren, sind und bleiben“.
Klare Worte eines Priesters: „Alle, die sich noch als Christin und Christ bezeichnen, sollten ganz klar wissen, dass Solidarität mit den Armen, den Flüchtlingen und Bedrängten stets und zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche waren, sind und bleiben“.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Ein Priester sorgt mit ungewöhnlicher Predigt zur Flüchtlingsproblematik für Aufsehen. Solidarität mit Bedrängten sei zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche.

Lingen. Ein katholischer Priester, der zum Austritt aus der Kirche aufruft – den gibt es. Seine Name: Jens Brandebusemeyer. Er ist Pfarrer der Gemeinden Maria Königin und St. Marien im emsländischen Lingen. Der Geistliche sorgt mit einer mutigen, wortgewaltigen und ungewöhnlichen Predigt zur Flüchtlingsproblematik für Aufsehen.

„Alle, die sich noch als Christin und Christ bezeichnen, sollten ganz klar wissen, dass Solidarität mit den Armen, den Flüchtlingen und Bedrängten stets und zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche waren, sind und bleiben“, sagte Brandebusemeyer am letzten Sonntag im Gottesdienst. Dann folgte der Satz, der für Aufsehen sorgen sollte: „Sollte jemand in diesem Punkt grundsätzlich anderer Meinung sein, bitte ich ihn oder sie erstmals öffentlich, aus der Kirche auszutreten.“

"Hier gibt es keine zwei Meinungen!“

Und weiter: „Man kann meines Erachtens nicht Christ sein und sich gleichzeitig an Demonstrationen gegen die Existenz von Menschen beteiligen, denen keine Wahl gelassen wird, oder gar mit Gewalt gegen dieselben vorgehen. Hier gibt es keine zwei Meinungen!“

Die klaren Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Während der Predigt sei es in der Kirche vollkommen still gewesen, berichten Gemeindemitglieder, die dabei waren. „Da habe ich schon gemerkt, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe“, sagt Pfarrer Brandebusemeyer. In Lingen sprach sich die Geschichte von der „Strafpredigt“ schnell herum. Weil viele den Text gerne nachlesen wollten, wurde er zunächst auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht, später auch bei Facebook. Dort wurde die Predigt fast tausend Mal geteilt und über 1300 Mal geliket.

Kommentare auf Facebook positiv

Die Facebook-Kommentare sind fast durchgehend positiv. „Sowas wünsche ich mir von der Kirche!“, heißt es dort etwa, oder: „Ich teile diese Predigt gerne, obwohl ich keine Kirchgängerin bin.“ Brandebusemeyer hat mit derart viel Aufsehen offenbar nicht gerechnet. „Ich habe ja nicht geplant, jetzt mal über Facebook einen ‘rauszuhauen“, sagt der Geistliche rückblickend.

„Ich bin nicht gerade für politische Predigten bekannt“, hatte der Geistliche bei seiner Predigt bekannt, „doch was Jesus heute im Evangelium von der Reinheit des Menschen sagt, gilt eins zu eins auch für unseren Staat: Nichts, was von außen hineinkommt, macht den Menschen oder den Staat unrein, sondern die bösen Gedanken, Mord, Bosheit, Verleumdung und Unvernunft, die aus dem Innern kommen. Nochmal auf Deutsch: Nicht die vielen Flüchtlingsströme, und mögen es noch so viele sein, stellen die eigentliche Herausforderung für Deutschland dar, sondern die Nachrichten, wie Rechtsradikale mit unseren Gästen umgehen.“