Papst-Rückzug löst Reformdebatte aus

Dortmund/Rom..  Der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. hat eine weltweite Debatte über einen geeigneten Nachfolger und über Reformen an der Spitze der römisch-katholischen Kirche ausgelöst. Aus Afrika kommt die Forderung nach einem schwarzen Papst. Viele wünschen sich ein relativ junges Kirchenoberhaupt. Der 85-jährige Benedikt hatte Alters- und Gesundheitsgründe für seinen Rückzug genannt. Theologen fordern eine Begrenzung der Amtszeit von Päpsten. Auch über den künftigen Kurs der Kirche zwischen Tradition und Moderne wird gestritten.

Deutsche Kirchenvertreter forderten, dass der neue Papst deutlich jünger sein müsse als der bei seiner Wahl 78-jährige Benedikt XVI.. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, „ein Papst im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70“ sei nicht verkehrt. Andernfalls sei es eine lange Zeit, die der Papst das Amt ausüben müsse. Ein häufigerer Wechsel könne sinnvoll sein.

Kardinal Woelki sagte auch, dass Benedikt XVI. das Amt „entzaubert“ habe, und zwar auf eine gute Weise. Er sei ein Vorbild für andere Verantwortungsträger in Kirche und Gesellschaft, „nicht an der Macht zu kleben“. Woelki wollte zudem nicht ausschließen, dass nun die Gefahr einer Verweltlichung des Papstamtes drohe. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte, Benedikts Rücktritt habe allen Nachfolgern einen möglichen Weg aufgezeigt. In den vergangenen 700 Jahren waren Päpste bislang nur durch ihren Tod aus dem Amt geschieden.

„Liberalisierung wird es unter dem neuen Papst kaum geben“

Nach dem Rückzug Benedikts am 28. Februar wird das Konklave einberufen. Die Versammlung der Kardinäle soll noch vor Ostern einen neuen Papst wählen. Als möglicher Amtsnachfolger wird der Mailänder Erzbischof Angelo Scola genannt. Vatikanbeobachter räumen auch Marc Ouellet Chancen (Kanada), Peter Turkson (Ghana), Laurent Monsengwo (Kongo), Timothy Dolan (USA) sowie Jorge Mario Bergoglio (Argentinien) Chancen ein.

Eine von vielen Gläubigen erhoffte Liberalisierung der Kirche werde es unter einem neuen Papst aber kaum geben, erwartet der Münsteraner Theologe und Sozialethiker Karl Gabriel, Theologe. Zudem würden die aus deutscher Sicht zentralen Fragen wohl zunächst unerledigt bleiben. Dazu gehörten eine Reform „der zentralistischen Struktur des Vatikans“ sowie mehr Offenheit bei der Ökumene und der Sexualmoral.

 
 

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