Papst bestraft Kirchenkritikerin

Wien.  Die österreichische Vorsitzende der katholischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“, Martha Heizer, ist wegen privat abgehaltener Abendmahlsfeiern exkommuniziert worden. Die 67-Jährige und ihr Ehemann hätten eine Situation geschaffen, in der rechtliche Schritte eingeleitet werden mussten, sagte der Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, am Donnerstag. „Ich glaube, dass das Ehepaar Heizer gewusst hat, welche Situation es herbeiführt und was ihr Handeln kirchlich bedeutet.“ Aus Deutschland kam harsche Kritik am Verhalten der Kirche.

Die pensionierte Tiroler Religionspädagogin und ihr Mann hatten 2011 bekanntgegeben, im kleinen Kreis private Eucharistiefeiern ohne Priester zu veranstalten. Die katholische Kirche wertet dies als schweres Vergehen. Ein Sprecher der Diözese sagte der Nachrichtenagentur APA, dass man kirchenrechtlich nicht von einer Exkommunikation seitens des Vatikans sprechen könne. Vielmehr sei durch das Diözesangericht Innsbruck eine Selbst-Exkommunikation festgestellt worden.

„Das ist nicht der Geist von Franziskus“

Das Ehepaar Heizer erkannte die Entscheidung in einer gemeinsamen Erklärung nicht an. „Wir werden uns weiterhin mit großer Kraft für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. Gerade auch diese Vorgangsweise zeigt, wie dringend sie Erneuerung braucht“, schrieben sie.

Der Vorsitzende der katholischen Laienbewegung in Deutschland, Christian Weisner, kritisierte die Exkommunikation. Sie widerspreche den Botschaften des neuen Papstes. „Die Entscheidung zeigt, dass der Geist von Franziskus noch nicht im Kurienapparat angekommen ist“, sagte der Weisner der „Welt“. Eine Form der Frömmigkeit zu sanktionieren, nur weil sie einem Kirchengesetz zuwiderlaufe, sei ein Relikt des Kirchenverständnisses Benedikts XVI. „Offensichtlich tut sich die Kirche schwer damit, das zu überwinden.“

Martha Heizer war vor einigen Wochen an die Spitze von „Wir sind Kirche“ in Österreich gerückt. In den 1990er Jahren war sie als Mitinitiatorin des Kirchenvolks-Begehrens bekannt geworden. 500 000 Unterstützer forderten damals eine Erneuerung der Kirche.

 
 

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