Pakistan steht hilflos vor dem Terror der Taliban

So viele unschuldige Opfer: Pakistan trauert um die Schulkinder, die bei dem blutigen Überfall der Taliban ums Leben kamen.
So viele unschuldige Opfer: Pakistan trauert um die Schulkinder, die bei dem blutigen Überfall der Taliban ums Leben kamen.
Foto: dpa
Nach Massaker in Schule mit fast 150 Todesopfern – die meisten Kinder und Jugendliche – will die Regierung Härte zeigen. Doch die Taliban haben die Regierung längst unterwandert.

Islamabad. Pakistans erste Reaktionen auf das barbarische Massaker in der Schule in Peshawar, bei dem am Dienstag fast 150 Menschen getötet worden waren, die meisten von ihnen Schulkinder, war ein Zeichen der Hilflosigkeit:

Premier Nawaz Sharif verkündete, er würde den Aufschub für die Vollstreckung von Todesstrafen aufheben. Allerdings: Dafür müsste erst einmal ein Mitglied der radikalislamischen Milizen überhaupt verurteilt werden. Das aber wagt in Pakistan längst kein Richter mehr.

Top-Terrorist tritt im Fernsehen auf

Stattdessen durfte sich gestern Hafeez Saeed im Fernsehen zu Wort melden. Er gründete einst mit militärischer Unterstützung die Terrortruppe Lashkar-e-Toiba und wird per Haftbefehl von den USA gesucht. Saeed ist sozusagen Pakistans öffentliches Gesicht des Terrors. Gestern behauptete er, der Anschlag in Peshawar sei nicht von seinen Gesinnungsgenossen verübt worden. Vielmehr stecke der Nachbar Indien hinter dem Massaker.

Die meisten der am Dienstag getöteten Kinder waren noch nicht beerdigt, als die Propagandamaschine des Extremismus in den pakistanischem Medien anlief. Sie mag nicht überzeugen, dürfte aber viele Menschen im Land verwirren und Zweifel säen. Hoffnungen, das Massaker würde in Pakistan zum Umdenken führen, hat deshalb kaum jemand dort.

Hintermänner identifiziert

Die Generäle des pakistanischen Militärs scheinen inzwischen überzeugt, dass die Hintermänner des Massakers zu den Gefolgsleuten von Mullah Fazlullah gehören. Fazlullah führt die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), eine 2007 gegründete Dachorganisation von mindestens einem Dutzend militanter Gruppen, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida haben.

Armeechef Raheel Sharif und sein Geheimdienstboss eilten gestern deshalb in die afghanische Hauptstadt Kabul. Denn Fazlullah versteckt sich offenbar seit einiger Zeit dort, vermutlich in der Kunar-Provinz. Kabul hat über die Region schon lange keine Kontrolle mehr.

Hilflos im Kampf

So dürfte der dortige Präsident Ashraf Ghani den Generälen aus Pakistan erklären, er sei hilflos im Kampf gegen die Taliban – so hilflos wie sich Sharif seinerseits angesichts der Forderung gab, endlich die Unterstützung für die afghanischen Taliban einzustellen.

Eben diese afghanischen Taliban meldeten sich gestern auch zu Wort. Sie distanzierten sich von dem Massaker und erklärten, die Tat von Peshawar verstoße „gegen die Grundlagen des Islam“.