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Pädophilie-Vorwürfe: FDP-Politikerin gibt auf

Wiesbaden. 

Weil sie als 20-jährige Studentin die Legalisierung von Pädophilie gefordert und von sexuellen Erfahrungen mit Kindern berichtet hatte, verzichtet die FDP-Politikerin Dagmar Döring auf ihre Kandidatur für den Bundestag. Am Samstag teilte sie ihre Entscheidung in einem von der FDP veröffentlichten Brief an den Kreisvorsitzenden der Partei in Wiesbaden, Florian Rentsch, mit. Sie wolle Schaden von ihrer Familie und der FDP abwenden, schrieb Döring.

„Ein großer Fehler“

Anlass für ihren Schritt waren Recherchen der Göttinger Parteienforscher Franz Walter und Stephan Kriecha, die im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen untersuchen, welchen Einfluss pädophile Gruppen wie die „Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie“ (DSAP) in der Partei hatten. In einem Bericht für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) schreiben die Forscher jetzt, 1980 hätte neben den Grünen in Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Berlin auch die FDP-Jugendorganisation dafür plädiert, Sex mit Kindern straffrei zu stellen.

Der damalige FDP-Generalsekretär Günther Verheugen habe damals eine Revision der Strafrechtsparagrafen 174 und 176 (sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen und Kindern) für möglich gehalten; entsprechende Beschlüsse der Partei gab es aber nicht. Döring war von 1979 bis 1982 in der DSAP aktiv. In dem Buch „Pädophilie heute“ von 1980 unterstützte sie in einem zweiseitigen Aufsatz die Forderung nach Legalisierung sexueller Beziehungen Erwachsener zu Kindern. Aus heutiger Sicht seien ihre Sichtweisen und politischen Aktivitäten „völlig inakzeptabel“ und „ein großer Fehler“, sagte sie jetzt. Sie distanziere sich mit aller Deutlichkeit von allen Schriften und politischen Aktionen aus „diesem früheren Kapitel aus meinem Leben“. Als Ehefrau und Mutter dreier Kinder seien ihr die „damaligen unreifen Gedanken heute unvorstellbar peinlich“.

Die Pädophilen-Debatte bei den Grünen kam über den EU-Abgeordneten Cohn-Bendit in Gang; in den 70er Jahren schrieb er über erotische Spiele mit Kindern. Seit Jahren distanziert er sich davon.