Oxfam und Ärzte ohne Grenzen – Skandale weiten sich aus

Ein Krankenlager in Port Au Prince in Haiti.
Ein Krankenlager in Port Au Prince in Haiti.
Foto: imago stock&people
Auch Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen werden wegen sexuellen Fehlverhaltens beschuldigt. Vorher geriet schon Oxfam in die Kritik.

Paris/London.  Nach Oxfam berichteten am Donnerstag auch Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Committee (IRC) von sexuellen Übergriffen in den eigenen Reihen.

Der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurden im vergangenen Jahr 24 Fälle von Missbrauch oder sexueller Belästigung gemeldet. Im Zusammenhang damit seien 19 Mitarbeiter entlassen worden. Nicht alle Fälle würden zentral erfasst, teilte die Organisation in Paris mit. Daher kann die tatsächliche Zahl der Übergriffe höher liegen. Insgesamt hätten sich 2017 in 146 Fällen Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens innerhalb der Organisation gemeldet, darunter auch Mobbing-Opfer. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt über 40.000 Personen.

IRC veröffentlichte Fälle im Kongo

Auch bei der US-Flüchtlingsorganisation IRC wurden Fälle von sexuellem Fehlverhalten bekannt, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur in New York bestätigte. Die Fälle haben im Kongo stattgefunden. Ermittlungen seien durchgeführt und Geldgebern die Vorwürfe gemeldet worden. Details nannte die Sprecherin nicht.

Die Debatte über Missbrauch in Hilfsorganisationen war in der vergangenen Woche durch Berichte über Sexpartys von Mitarbeitern der Organisation Oxfam mit Prostituierten in Haiti und im Tschad losgetreten worden. Die britische Vizechefin Penny Lawrence trat daraufhin zurück. Eine Ex-Oxfam-Managerin hatte zudem berichtet, dass Männer Sex von Frauen als Gegenleistung für Hilfen verlangt hätten.

Spender stoppen Zahlungen an Oxfam

Am Donnerstag gab Oxfam einen weiteren „schlimmen Fehler“ zu: Ein Mitarbeiter, dem wegen sexuellen Fehlverhaltens im Erdbebengebiet von Haiti 2011 gekündigt worden war, wurde später wieder als Berater in Äthiopien eingestellt. „Das hätte nie passieren dürfen“, teilte die Organisation mit. Es werde geprüft, wie es dazu kommen konnte.

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, die britische Schauspielerin Minnie Driver und der Sänger Baaba Maal aus dem Senegal gaben inzwischen ihre Ämter als Oxfam-Botschafter auf. Viele Spender stoppten bereits ihre Zahlungen für diesen internationalen Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen.

Die katholische Hilfsorganisation Cafod in Großbritannien entließ einen Mitarbeiter wegen „unangemessenen Verhaltens“. Die Vorfälle ereigneten sich noch bei Oxfam, wo der Mann zuvor gearbeitet hatte. Man sei aber erst durch britische Journalisten auf die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter aufmerksam geworden, sagte Cafod-Direktor Chris Bain. (dpa)

 
 

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