Oberhausen, Hagen und Dortmund - die armen Schlucker von NRW

Die fünf Großstädte mit dem stärksten Plus bei der Verschuldung sind neben Düsseldorf Mülheim/Ruhr, Bonn, Offenbach und Frankfurt/Main.
Die fünf Großstädte mit dem stärksten Plus bei der Verschuldung sind neben Düsseldorf Mülheim/Ruhr, Bonn, Offenbach und Frankfurt/Main.
Foto: Lutz von Staegmann / WAZ FotoPool
Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young stellen dem Ruhrgebiet ein schlechtes Zeugnis aus. Wieder einmal liegt das Revier auf einer Rangliste hinten. Diesmal geht es um den Schuldenstand. Oberhausen, Hagen und Dortmund gehören zu den armen Schluckern, Stuttgart, Dresden und Wolfsburg sind fein raus.

Essen. Die Schere zwischen armen und reichen Großstädten in Deutschland geht nach einer Studie ­weiter auseinander. Besonders tief im Schuldensumpf stecken viele Städte im Ruhrgebiet. Oberhausen hat mit 8369 Euro die bundesweit höchste Pro-Kopf-Verschuldung, Hagen liegt in der Schulden-Rangliste mit 6505 Euro pro Einwohner auf Platz vier.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hatte für die Studie Daten von Statistikämtern ausgewertet. Düsseldorf hatte mit einem Plus von 109 Prozent auf 228,3 Millionen Euro den stärksten Schulden-Anstieg. Wolfsburg und Dresden waren Ende 2012 schuldenfrei. Die fünf Großstädte mit dem stärksten Plus bei der Verschuldung sind neben Düsseldorf Mülheim/Ruhr, Bonn, Offenbach und Frankfurt/Main.

Reiche Städte werden noch reicher, arme Städte noch ärmer – Das geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hervor. Einige NRW-Kommunen – vor allem die im Ruhrgebiet – stecken tief im Schuldensumpf. Oberhausen und Hagen sind im Grunde pleite.

Essen ist der Schulden-König

19 Großstädte in Deutschland haben mehr als eine Milliarde Euro Schulden, und zwölf von ihnen liegen in NRW. Schulden-Spitzenreiter ist Essen (3,2 Milliarden Euro), es folgen Köln, Duisburg und Dortmund.

Was den Unterschied zwischen einer reichen und einer armen Kommune ausmacht, lässt sich an einem Beispiel aus den Nachbarstädten Düsseldorf und Duisburg beschreiben: Dort muss die gemeinsame U-Bahnlinie U79 modernisiert werden.

Während die Rheinbahn in Düsseldorf sofort damit beginnen und 40 Millionen Euro investieren möchte, sagte der Rat der Stadt Duisburg erst einmal Nein zum Gemeinschaftsvorhaben. Die Begründung: „Wir haben dafür kein Geld.“

Klienten des Jobcenters Duisburg klagen seit Wochen über unhaltbare Zustände in dieser Behörde. Dort ist das Personal nämlich so knapp geworden, dass Öffnungszeiten reduziert und Zahlungen verschoben werden. Der Gewerkschaft Verdi zufolge ist in dem Jobcenter jede vierte Planstelle gar nicht besetzt.

700.000 Euro für ein Indianerzelt

Duisburg ächzt wie Dortmund unter den Sozialkosten. Dazu trägt auch die Zuwanderung von Südosteuropäern bei. Dortmunds Kämmerer Jörg Stüdemann spricht von „jährlich 25 Millionen Euro Zuwachs bei den Sozialausgaben“.

Selbst Fördergelder, die die Städte entlasten sollen, führen zuweilen zu hohen Belastungen. So saniert Dortmund sein Riesen-Indianerzelt „Big Tipi“ für rund 700.000 Euro Eigenanteil, weil die Baumstämme unter der Zeltplane morsch waren. Hätte die Stadt nicht investiert, dann hätte sie zwei Millionen Euro an das Land NRW zurückzahlen müssen, die für den Erhalt des umliegenden Freizeitparkes zur Verfügung standen.

Niederlage vor dem NRW-Verfassungsgericht

17 Städte und zehn Kreise in NRW, darunter Münster und Hagen, scheiterten am Dienstag mit einer Beschwerde gegen Wohngeld-Rückzahlungsforderungen das Landes. Bei dem Streit geht es um Wohngeldzuweisungen, die zwischen 2007 und 2009 von der damaligen schwarz-gelben NRW-Regierung an einige Kommunen gezahlt wurden. Das Verfassungsgericht hatte 2010 die alten Berechnungen als falsch bezeichnet. Die Rückzahlungsforderung beträgt rund 240 Millionen Euro. (mit dpa)

 
 

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