Obama reist doch zum Verhandlungsendspurt

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Washington. Der amerikanische Präsident Barack Obama fährt nun doch zur Schlussphase der Verhandlungen in Kopenhagen. Ursprünglich wollte Obama nur zu Beginn teilnehmen. Die Entscheidung wurde allgemein begrüßt, durch sie erhält die Weltklimakonferenz ein stärkeres Gewicht.

US-Präsident Barack Obama nimmt nun doch an der entscheidenden Schlussphase der Kopenhagener Weltklimakonferenz teil und erhöht damit die Chance auf einen Durchbruch. Am Freitag änderte Obama überraschend seine Pläne. Er reist nach Angaben des Weißen Hauses nun zum Abschlussgipfel am 18. Dezember in die dänische Hauptstadt - anstatt wie zunächst vorgesehen zum Beginn der Konferenz. Obama reagierte damit auf die Ankündigungen Chinas und Indiens zu konkreten Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel.

Gipfel erhält mehr politisches Gewicht

Nach ursprünglicher Planung wollte Obama am Mittwoch auf seinem Weg zur Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo nur einen kurzen Stopp in Kopenhagen einlegen. Dies hatten Beobachter als Zeichen dafür gewertet, dass ein neues Klimaabkommen noch in weiter Ferne liegt. Die Änderung seiner Pläne belege Obamas Willen, «alles in seiner Macht Stehende für ein positives Ergebnis» in Kopenhagen zu tun, sagte sein Sprecher Robert Gibbs. Es gebe allerdings noch entscheidende Fragen auszuhandeln.

Der Präsident des Weltklimarates Rajendra Pachauri begrüßte Obamas überraschende Entscheidung als «eine sehr bedeutende Entwicklung». Die Aussicht auf ein zufriedenstellendes Abkommen in Kopenhagen habe sich damit erheblich verbessert. Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, erklärte, mit Obamas Teilnahme an der Schlussphase erhalte der Gipfel noch mehr politisches Gewicht.

Röttgen erwartet von USA Führungsverantwortung

Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte, Obama zeige damit, dass er «den Erfolg will und mit allem Risiko das Gewicht seiner Person in die Waagschale wirft». Der «Bild am Sonntag» sagte Röttgen: «Obama weiß: Wenn Amerika in Kopenhagen seiner Führungserwartung nicht gerecht wird, verliert es auf Dauer seine technologische Führungsposition in der Welt.»

Als problematisch bezeichnete es der CDU-Politiker, dass der US-Präsident in seiner Heimat mit dem Thema Klimaschutz kaum punkten kann. In den USA sei Klimaschutz «immer noch ein Thema für Eliten, nicht für die Mehrheit der Bürger.» Dennoch erwarte die Bundesregierung von den USA hier die Übernahme von Führungsverantwortung.

Nur noch Verhandlungen über politische Erklärung

Indien hatte am Donnerstag angekündigt, den Anstieg der CO2-Emissionen bis 2020 erheblich zu senken. China legte sich fest, die CO2-Intensität drastisch zu drosseln. Damit könnten bei weiter starkem Wirtschaftswachstum zwar auch die Emissionen weiter steigen, aber mit halbem Tempo. Die beiden Staaten und die USA gehören zu den fünf größten Kohlendioxid-Produzenten der Welt.

Die Hoffnung, in Kopenhagen könne ein rechtlich bindendes Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll mit konkreten Reduktionszielen und Finanzierungszusagen geschnürt werden, haben sich inzwischen zerschlagen. Heftig wird nun noch um eine politische Erklärung mit weitreichenden Zielen und Bekenntnissen aller Beteiligten gerungen.

Rund 450 UN-Vertreter, Aktivisten und Journalisten bringt von Belgien aus ein eigener «Klima-Express» nach Kopenhagen. Der mit einem grünen Streifen geschmückte Zug soll die Bemühungen der Konferenz um eine Reduzierung der Treibhausgas-Ausstoßes symbolisieren. Laut Bahn stammt die für die Fahrt benötigte Menge Strom aus erneuerbaren Energien. Zu dem am Montag beginnenden Gipfel in Kopenhagen werden 15.000 Teilnehmer erwartet. (ap)

 
 

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