Obama entschuldigt sich für fatalen Drohnen-Einsatz

Washington..  Zum ersten Mal in seiner Amtszeit hat sich der US-Präsident Barack Obama öffentlich für irrtümlich getötete Zivilisten entschuldigt. Demnach sind bei einem Anti-Terror-Einsatz gegen Al-Kaida im Januar im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zwei westliche Geiseln durch eine US-Drohne ums Leben gekommen: Der Amerikaner Warren Weinstein (73) und der Italiener Giovanni Lo Porto (39) waren 2011 bzw. 2012 als Geiseln genommen worden. Beide hielten sich bis dahin als Entwicklungshelfer in Pakistan auf. Lo Porto arbeitet für die Deutsche Welthungerhilfe, er war im Januar 2012 zusammen mit seinem deutschen Kollegen Bernd Mühlenbeck entführt worden. Mühlenbeck kam im vergangenen Oktober frei.

„Ich bereue zutiefst“

Laut Obama hatten US-Stellen über längere Zeit einen Gebäudekomplex unter Beobachtung, in dem sich „gefährliche Al-Kaida-Mitglieder“ aufhielten. Zu keinem Zeitpunkt habe es Anlass zu der Annahme gegeben, dass die beiden Geiseln dort festgehalten wurden.

„Keine Worte können den Schmerz lindern, den die Angehörigen empfinden“, sagte Obama gestern. Er berichtete von Gesprächen mit der Witwe Warrens und Italien Regierungs-Chef Matteo Renzi, lobte umfänglich das selbstlose Engagement der Opfer und erklärte: „Ich bereue zutiefst, was geschehen ist.“ Terror-Experten in Regierungskreisen sprachen inoffiziell von „Totalversagen“.

Als Präsident und Oberbefehls­haber übernehme er „die volle Verantwortung“ für die Tragödie, sagte Obama. Er erklärte seinen ungewöhnlichen Auftritt mit dem Recht der Opfer-Familien auf Wahrheit. Außerdem habe Amerika als Demokratie die Verpflichtung, auch dann für Transparenz zu bürgen, wenn es unangenehm ist.

Für das Weiße Haus ist das Eingeständnis, Unschuldige getötet zu haben, brisant. Der Kongress hat bereits eine Untersuchung angekündigt. Obama hatte den Einsatz der Flugkörper bei Amtsantritt massiv ausweiten lassen und dem Geheimdienst CIA den Rücken gestärkt, wenn Menschenrechts-Organisationen Opfer unter der Zivilbevölkerung beklagten. Nach unbestätigten Angaben sollen seit Obamas Amtsantritt fast 3000 Zivilisten bei Drohnen-Einsätzen ums Leben gekommen sein.

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