Nur Freispruch zweiter Klasse für Doktor Eumann

Tobias Blasius
Marc Jan Eumann: Ein Jahr lang war ungewiss, ob er seinen Doktortitel würde behalten dürfen.
Marc Jan Eumann: Ein Jahr lang war ungewiss, ob er seinen Doktortitel würde behalten dürfen.
Foto: imago
Die TU Dortmund erklärt: Zwar sei NRW-Staatssekretär Marc Jan Eumann vom Vorwurf des Plagiats freigesprochen worden – aber etwas bleibt wohl doch hängen. Das wissenschaftliche Fehlverhalten sei offensichtlich. Obendrein erklärte Eumanns Doktorvater Professor Horst Pöttker, er fühle sich getäuscht.

Dortmund/Düsseldorf. Die überraschende Entscheidung der Technischen Universität (TU) Dortmund, NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) doch nicht den Doktortitel abzuerkennen, wirft weiterhin Fragen auf. Der zuständige Fakultätsrat der Kulturwissenschaften machte am Donnerstag deutlich, dass es sich offenbar um einen prüfungsrechtlichen Freispruch zweiter Klasse gehandelt hat.

In dem zähen, mehr als einjährigen Überprüfungsverfahren sei man zu dem Ergebnis gekommen, „trotz großer Bedenken bezüglich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens Herrn Eumann den Doktortitel nicht abzuerkennen, da eine vorsätzliche Täuschung nicht eindeutig belegt werden konnte“, hieß es in einer nachgereichten Begründung.

Die Entscheidung widerspricht ungewöhnlicherweise einer Einschätzung des Rektorats der Universität aus dem vergangenen Sommer. Die Hochschulleitung hatte bei Eumann „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten“ festgestellt, bevor sie den Fall an den Fakultätsrat übergab.

Doktorvater fühlt sich getäuscht

Dem 48-jährigen SPD-Politiker wird vorgeworfen, eine 20 Jahre alte Magisterarbeit über den „Deutschen Presse-Dienst“ in der britischen Zone des Nachkriegsdeutschlands kaum verändert 2011 als Promotion beim Dortmunder Institut für Publizistik eingereicht zu haben.

Eumanns Doktorvater, der inzwischen emeritierte Professor Horst Pöttker, sagte gegenüber der „FAZ“, er fühle sich von seinem Schützling getäuscht. Er sei über die alte Magisterarbeit ähnlichen Titels und Inhalts nicht informiert gewesen. Die Doktorarbeit stimme „in großen Teilen“ mit der Magisterarbeit überein. „Die Voraussetzungen für eine Promotion sind deshalb nicht erfüllt“, so Pöttker. Er forderte eine unabhängige externe Überprüfung des Falls.