NRW will „Kein Kind zurücklassen“ - das scheint zu klappen

„Vorbeugung lohnt sich“: Hannelore Kraft (SPD) bei der Zwischenbilanz ihres Kernprojektes "Kein Kind zurücklassen" in Oberhausen.
„Vorbeugung lohnt sich“: Hannelore Kraft (SPD) bei der Zwischenbilanz ihres Kernprojektes "Kein Kind zurücklassen" in Oberhausen.
Foto: dpa
Die NRW-Ministerpräsidentin zieht eine positive Zwischenbilanz ihres Kernprojektes: Frühe Hilfen für Familien - um später Probleme und Kosten zu vermeiden. In den Modell-Städten funktioniert das offenbar. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, dass man betroffene Eltern dazu bewegt, Angebote zu nutzen.

Düsseldorf.. Fast zweieinhalb Jahre nach dem Start des Modellprojekts "Kein Kind zurücklassen" in NRW werden aus den 18 Modellkommunen erste Erfolge gemeldet. „Vorbeugung funktioniert“, zog Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gestern Zwischenbilanz. Das Vorhaben mit frühen, gezielten Hilfen für Familien und einem besser vernetzten Förderangebot gilt als Kernprojekt ihrer rot-grünen Koalition.

Beispiele sogenannter „Präventionsketten“ zeigten die Städte und Gemeinden in Oberhausen. In Moers werden inzwischen 95 Prozent aller Neugeborenen und Mütter mit einem Risiko-Screening erreicht, das zum Regelangebot in beiden Geburtskliniken der Stadt gehört und von Hebammen und Krankenschwestern beobachtet wird.

In Hamm fördert ein Programm sozial benachteiligte Kita-Kinder und ihre Eltern bis zum Übergang der Kleinen in die Grundschule. Im Schuljahr 2013/14, so das erste Ergebnis, hatte kein einziges betroffenes Kind als Erstklässler zusätzlichen Förderbedarf.

Der größere Aufwand spart am Ende Geld

Einige Kommunen vermelden inzwischen auch weniger Ausgaben. In Bielefeld, wo der flexible Einsatz von Erziehungshilfen im Offenen Ganztag an Grundschulen erprobt wird, seien durch den Wegfall von Tagesgruppen für die Kinder netto 260.000 Euro eingespart worden. Frühzeitige Beratung und Hilfe für Eltern in Mönchengladbach in zwei Stadtteilen „mit besonderem Präventionsbedarf“ hätten die sozialen Folgekosten um 122.000 Euro reduziert.

Auch Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Gladbeck, Oberhausen und der Kreis Unna nehmen an dem Projekt teil, das bis 2015 läuft. Nach einer umfassenden Evaluation sollen dann die Erfahrungen allen Kommunen zur Verfügung gestellt werden. „Wir wollen vorbeugende Strukturen im ganzen Land“, so Kraft. Das Land investiert in das Vorhaben 4,7 Millionen Euro und kooperiert mit der Bertelsmann Stiftung.

Forscher: „Prävention kann nicht verordnet werden.“

Nach Ansicht von Sozialwissenschaftlern der Ruhr-Uni Bochum hängt der Erfolg des Vorhabens maßgeblich davon ab, dass Familien die Angebote nutzen. „Prävention kann nicht verordnet werden“, so Professor Peter Strohmeier, der das Projekt begleitet. Beispielsweise könne der frühe Besuch einer Kita und Sport im Verein helfen, Sprachprobleme bei Zuwandererkindern deutlich zu lindern und damit ihre Chancen in der Schule zu verbessern.

Die Bochumer Forscher entwickeln Instrumente, damit die Kommunen ihre Präventionsangebote „passgenau“ planen können. Im Vergleich der Städte stellen die Wissenschaftler noch erhebliche Unterschiede fest. Der Anteil der Dreijährigen, die keine Kita besuchen, schwanke beispielsweise zwischen null und 47 Prozent. „Arme Kinder gehen später in die Kita“, so Strohmeier. Die Angebote müssten daher nah bei den Familien sein.

 
 

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