NRW will Islamverbände deutlich aufwerten

Sichtbares Zeichen des Islam in Deutschland: Die Ditib-Moschee in Duisburg-Marxloh.
Sichtbares Zeichen des Islam in Deutschland: Die Ditib-Moschee in Duisburg-Marxloh.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Die vier mitgliederstärksten Islamverbände in NRW könnten schon bald größeren Einfluss auf den Religionsunterricht für muslimische Schüler bekommen und leichter eigene Wohlfahrtsorganisationen aufbauen.

Düsseldorf.. Die vier großen muslimischen Verbände in NRW – Ditib, Islamrat, Zentralrat der Muslime und VIKZ – haben die erste Hürde auf dem Weg zur Anerkennung als Religionsgemeinschaft genommen. Das bestätigte die Düsseldorfer Staatskanzlei auf Anfrage der WAZ.

Eine Prüfung habe ergeben, dass die islamischen Organisationen nach ihrer Satzung eine Religionsgemeinschaft darstellen. Im ersten Halbjahr 2016 werde ein zweites Gutachten erwartet, dass die inhaltliche Ausrichtung und mögliche staatliche, sprachliche oder politische Einflüsse der Verbände untersuche, so die Staatskanzlei.

349 000 muslimische Schüler in Nordrhein-Westfalen

„Die sorgfältige Prüfung ist angezeigt und erfolgt auch“, sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Sigrid Beer. „Es gibt keine Vorentscheidung, aber es gibt den parteiübergreifenden Willen, die islamischen Verbände aufzuwerten und stärker in die gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen“, erklärte CDU-Integrationspolitikerin Serap Güler.

Mit dem Status der Religionsgemeinschaft würden die Islamverbände zentraler Ansprechpartner von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) bei der Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts. Bislang entscheidet als Übergangslösung ein Beirat über dessen Inhalte. Ein automatisches Recht zur Entsendung von Imamen als Lehrer in öffentliche Schulen sei mit der Aufwertung jedoch nicht verbunden, so das Ministerium.

Zurzeit bieten 176 Schulen in NRW islamischen Religionsunterricht an, 123 Lehrer wurden eigens weitergebildet. 13 700 muslimische Kinder nehmen das Angebot wahr. Das Schulministerium geht davon aus, dass der islamische Religionsunterricht stark ausgebaut werden muss: Insgesamt seien 200 000 der landesweit 349 000 muslimischen Schüler daran interessiert.

Mit dem Status einer Religionsgemeinschaft fiele es Islamverbänden leichter, Steuer- und Förderprivilegien zu nutzen oder Wohlfahrtsstrukturen wie muslimische Altenheime aufzubauen. Bestritten wurde in Düsseldorf, dass Moschee-Gemeinden das Recht zum öffentlichen Gebetsruf zugestanden werde. Eine türkische Gemeinde in Oberhausen hatte bereits ein vergleichbares Recht zum Kirchenglocken-Läuten gefordert.

 
 

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