NRW will fast jedes zehnte Klinikbett abbauen

Wilfried Goebels
In NRW sollen 14000 Klinikbetten abgebaut werden.
In NRW sollen 14000 Klinikbetten abgebaut werden.
Foto: WAZ FotoPool
Insgesamt plant NRW in der Zeit von 2010 bis 2015 den Abbau von 14 000 auf 110 000 Klinikbetten. Gleichzeitig soll die Versorgung von Älteren gestärkt werden. Das Ziel, für jeden Bürger in 20 Kilometern Umkreis eine Klinik anzubieten, wird allerdings schon heute vielfach nicht erreicht.

Düsseldorf. NRW will die Versorgung älterer und psychisch kranker Patienten in den 400 Kliniken verbessern. Der neue Krankenhaus-Rahmenplan 2015 sieht den Ausbau von Kapazitäten in der Psychiatrie, Geriatrie (Altersmedizin) und Neurologie vor. Im Gegenzug sollen durch mehr ambulante Behandlungen Betten in der Chirurgie sowie im Bereich der Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten abgebaut werden. Insgesamt plant NRW in der Zeit von 2010 bis 2015 den Abbau von 14 000 auf 110 000 Klinikbetten.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) reagiert mit dem Rahmenplan auf die veränderten Bedürfnisse durch die demografische Entwicklung. Trotz des Bettenabbaus um neun Prozent soll eine flächendeckende Versorgung mit stationären Angeboten auch in ländlichen Regionen sichergestellt werden. Das Ziel, für jeden Bürger in 20 Kilometern Umkreis eine Klinik anzubieten, wird allerdings schon heute vielfach nicht erreicht. Das Ministerium setzt auf die enge Vernetzung von ambulanten, rehabilitativen und pflegerischen Angeboten.

Patienten werden schneller entlassen

Bei sinkenden Geburtenzahlen soll die Versorgung von Risikoschwangeren künftig auf wenige Spezialkliniken konzentriert werden. Auch in der Chirurgie setzt sich der Bettenabbau fort: Standen 2010 noch landesweit 32 800 Betten in 353 chirurgischen Abteilungen zur Verfügung, rechnet das Ministerium 2015 mit noch rund 27 600 Betten. Der Grund: Patienten werden heute schneller wieder entlassen.

Altersspezifische Erkrankungen sollen künftig durch ein „Screening“ (Standardisierte Fragen) bei 75-jährigen Patienten früher erkannt werden. Ergeben sich Hinweise auf Hilfsbedürftigkeit oder ein vermindertes Erinnerungsvermögen, soll ein Versorgungsverbund aus Geriatrie, Neurologie und Innere Medizin die optimale Behandlung sicherstellen. Jede Klinik soll zumindest mit einer geriatrischen Abteilung einer Klinik vernetzt sein. Da psychische und körperliche Erkrankungen häufig zusammenwirken, soll ein ganzheitlicher Behandlungsansatz gefunden werden.

Die regionalen Planungskonzepte sollen nun vor Ort gemeinsam mit Trägern und Krankenkassen entwickelt werden. Die Planungen sollen bis Ende 2015 abgeschlossen sein. Das Gesundheitsministerium stellte klar, dass der Bettenabbau abhängig von der Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich verlaufen kann.