NRW will, dass jedes Kind ein Instrument lernen kann

Tobias Blasius
Ob Trompete oder Geige, jedes Kind soll die Chance erhalten, ein Instrument zu erlernen. Das ist die Idee von „JeKi“.
Ob Trompete oder Geige, jedes Kind soll die Chance erhalten, ein Instrument zu erlernen. Das ist die Idee von „JeKi“.
Foto: Matthias Graben
Das musikalische Vorzeigeprojekt „Jedem Kind ein Instrument“ („JeKi“) wird sieben Jahre nach dem Start grundlegend reformiert. Die rot-grüne Landesregierung will in der nächsten Woche die landesweite Ausweitung des bisher aufs Ruhrgebiet beschränkten Konzepts beschließen.

Düsseldorf. Das unter der schwarz-gelben Landesregierung gestartete Vorhaben „Jedem Kind ein Instrument“, kurz JeKi, soll in Zukunft landesweit an den Grundschulen angeboten werden. Neben der Instrumenten-Ausbildung soll es auch Kurse in Gesang und Tanz geben.

„Wir begrüßen, dass das Programm auf den ländlichen Raum ausgeweitet werden soll und die Lehren aus finanziellen und konzeptionellen Problemen gezogen wurden“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, unserer Redaktion.

Viele Abbrecher

Rund 83 Prozent der Grund- und Förderschüler, die bislang an „JeKi“ teilnahmen, hätten bereits in der dritten Klasse den Instrumenten-Unterricht wieder abgebrochen. Diese hohe Abbrecherquote sei teuer und unbefriedigend für Städte und Musikschulen, die bislang an etwa 600 Grund- und Förderschulen des Ruhrgebiets „JeKi“ anbieten.

Künftig sollen 1000 Grund- und Förderschulen in ganz NRW an dem Programm teilnehmen. Neue Gesangs- und Tanzkurse sollen einen „breiteren künstlerischen Zugang“ ermöglichen – und sind obendrein kostengünstiger als die reine Instrumentenausbildung.

Zehn Millionen Euro stehen bereit

Rot-Grün sichert weiter ein jährliches Budget von zehn Millionen Euro zu, sieht sich aber angesichts der Haushaltsnöte nicht in der Lage, für die JeKi-Ausweitung finanziell aufzustocken. Bisherigen Planungen zufolge sollen die neuen Kurse erst in der zweiten Klasse beginnen und nur noch über zwei Jahre laufen.

Die Vorgängerregierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) hatte das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ als wichtigstes musikpädagogisches Projekt im Vorfeld zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 gefördert. Grundschüler sollten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft von der ersten bis zur vierten Klasse das Musizieren erlernen.

Projekt soll schrittweise kommen

Neben Land und Kommunen stellten zwei Kulturstiftungen die Finanzierung sicher. Nach der ersten vierjährigen Projektphase verblieb das Land als einziger Geldgeber. Zuletzt kamen rund 60 000 Kinder im Revier in den Genuss des Unterrichts.

Da sich viele Städte und Musikschulen im Ruhrgebiet personell und logistisch auf die hohen Schülerzahlen eingestellt hatten, will Rot-Grün die „JeKi“-Reform ab dem Schuljahr 2015/16 erst schrittweise einführen. Für den Unterricht hatten einige Musikschulen in den beteiligten Städten des Regionalverbandes Ruhr (RVR) seit 2007 die Zahl ihrer Lehrer fast verdoppelt.