NRW-Städte vor der Pleite

Das Essener Rathaus thront über dem absolut höchsten Schuldenberg der Republik.
Das Essener Rathaus thront über dem absolut höchsten Schuldenberg der Republik.
Foto: Sebastian Konopka
Essen hat bundesweit die meisten Schulden, auch Duisburg und Oberhausen sind extrem verschuldet. Die fünf Schuldenspitzenreiter liegen allesamt in NRW. Faktisch sind sie bankrott.

An Rhein und Ruhr. Trotz Aufschwung droht immer mehr Städten an Rhein und Ruhr die Pleite. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young stellt sich die Finanzsituation von Großstädten in NRW im bundesweiten Vergleich besonders dramatisch dar. So ächzt die Stadt Essen mit 3,2 Milliarden Euro Verbindlichkeiten unter dem absolut höchsten Schuldenberg in der Bundesrepublik. Es folgen Köln, Duisburg, Dortmund, Oberhausen und Wuppertal. Die fünf Schulden-Spitzenreiter finden sich damit allesamt in NRW.

Oberhausen hatte mit 8369 Euro Ende 2012 die höchste Verschuldung je Einwohner angehäuft. In Düsseldorf ist die Lage mit Verbindlichkeiten über 228,3 Millionen Euro zwar noch nicht bedrohlich. Doch die Entwicklung ist umso drastischer: In keiner anderen Großstadt stiegen die Schulden zuletzt so schnell (plus 109 Prozent in zwei Jahren) wie in der NRW-Landeshauptstadt. In Mülheim und Bonn legten die Schulden ebenfalls so schnell zu wie in kaum einer anderen Stadt Deutschlands.

„De facto sind viele deutsche Städte längst bankrott“, sagte Hans-Peter Busson von Ernst & Young. Für ihre Studie hat die Beratungsfirma die Daten der Statistikämter in Bund und Ländern ausgewertet. Ihr Fazit: „Wir sind nach wie vor weit von einer nachhaltigen Lösung des kommunalen Schuldenproblems entfernt.“ Verschärft habe sich die Lage durch die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse, weil sie zahlreiche Länder dazu zwinge, ihre Zahlungen an die Kommunen zu kürzen.

Es gibt auch Gewinner

Insgesamt wuchs der Schuldenberg deutscher Großstädte zwischen 2010 und 2012 um sieben Prozent auf 47,9 Milliarden Euro. Fast jede dritte Großstadt ist mittlerweile hoch verschuldet. Offenbach, Ludwigshafen, Hagen und Saarbrücken zählen mit Schulden von mehr als 6000 Euro pro Kopf zu den weiteren Sorgenkindern. Allerdings gibt laut der Studie nicht nur Verlierer. Wolfsburg und Dresden sind schuldenfrei. Stuttgart, Heilbronn und Jena folgen mit den bundesweit geringsten Schuldenquoten. Die allgemeine Tendenz: Arme Städte werden ärmer, reiche Städte immer reicher. Sie profitieren laut Ernst & Young von einer klugen Standortpolitik, Unternehmensansiedlungen und steuerzahlenden Zuzüglern. Die armen Städte hingegen müssten ihre Investitionen kürzen und fielen so weiter zurück.

 
 

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