NRW-SPD verabschiedet sich vom bisherigen Turbo-Abi

Bleibt auf der Tagesordnung: der Streit um das Turbo-Abitur in Nordrhein-Westfalen.
Bleibt auf der Tagesordnung: der Streit um das Turbo-Abitur in Nordrhein-Westfalen.
Foto: dpa
Im Dauerstreit um das „Turbo-Abitur“ ist die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen acht Monate vor der Landtagswahl unter Druck geraten.

Düseldorf. Die NRW-SPD will sich beim Landesparteitag am 24. September in Bochum formal vom „Turbo-Abitur“ in der bisherigen Form verabschieden. Schulministerin Sylvia LöhrSchumann (Grüne) steht derweil massiv für ihren Vorschlag einer individuellen Schulzeit für alle in der Kritik.

Die SPD-Parteispitze wird nach WAZ-Informationen beim Parteitag einen Leitantrag abstimmen lassen, der einen klaren Auftrag zum Umbau des achtjährigen Gymnasiums (G8) für das Wahlprogramm 2017 vorsieht. Kernpunkt soll die Wiedereinführung einer sechsjährigen Sekundarstufe I sein. Die Oberstufe soll dafür zeitlich flexibilisiert werden, so dass Schüler je nach Leistungsvermögen das Abitur weiterhin nach 12 oder erst nach 13 Schuljahren ablegen können. In jedem Fall soll das 10. Schuljahr wieder mit der Mittleren Reife abschließen, so dass die Durchlässigkeit zu Realschulen oder der Wechsel in eine Berufsausbildung erleichtert würden.

Schulministerin bringt Eltern und Lehrer gegen sich auf

Für die NRW-SPD bedeutet der Leitantrag einen Kurswechsel. Seit Regierungsübernahme 2010 war das umstrittene „G8“ von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) strukturell nicht in Frage gestellt und nur punktuell bei Hausaufgaben und Lernstoff überarbeitet worden. Der Erfolg einer G9-Bürgerinitiative, wachsender Druck der Parteibasis und Reformüberlegungen in anderen Bundesländern haben Kraft offenbar zum Umdenken gezwungen.

Schulministerin Löhrmann hat derweil Eltern- und Lehrerverbände mit ihrem Vorschlag gegen sich aufgebracht, jedem Kind eine „flexible Schulzeit“ gewähren zu wollen. Nachdem Löhrmann jahrelang eisern an „G8“ festgehalten und stets auf Beschlüsse eines „Runden Tisches“ mit allen Interessengruppen in NRW verwiesen hatte, überraschte sie mit der Idee einer individuellen Schulzeit für alle. „Löhrmann bringt auf einmal die Einheitsschule gegen die Schulvielfalt in Stellung“, kritisierte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Peter Silbernagel. Er sprach von „Flexibilisierungswahn“. Auch Dieter Cohnen, im Vorstand der Landeselternschaft der Gymnasien, reagierte entsetzt: „Löhrmanns Vorschlag ist für niemanden nachvollziehbar. Es macht keinen Sinn, die Schulstruktur komplett umzubauen.“

 
 

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