NRW-Schülervertreter fordern endlich Einigung zum Turbo-Abitur

Frederic Koch ist Mitglied der Landesschülervertretung NRW, die für 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche im Land spricht.
Frederic Koch ist Mitglied der Landesschülervertretung NRW, die für 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche im Land spricht.
Foto: Kai Kitschenberg
In Düsseldorf streitet die Politik erneut über das Turbo-Abitur. Die Landesschülervertretung fordert eine Reform und wirbt für einen eigenen Vorschlag.

Essen.. Die Schülervertretung in NRW warnt davor, dass die aus ihrer Sicht drängende Reform des Turbo-Abiturs nicht bloß als Spielball im Landtagswahlkampf herhalten darf. Vorstandsmitglied Frederic Koch sagt: „Wir finden es gut, dass sich die Parteien über eine Verbesserung von G 8 streiten, aber am Ende wollen wir Schüler auch ein gutes Ergebnis sehen.“ Die 2005 in Kraft getretene Schulzeitverkürzung an NRW-Gymnasien von neun auf acht Jahre sei der falsche Weg gewesen, es bedürfe dringend einer Verbesserung. „Es geht um unsere Bildung“, sagt Koch.

Jüngst hatte sich der Streit um das sogenannte Turbo-Abitur – G 8 für acht gymnasiale Jahre genannt – neu entladen. Während eine Elterninitiative ein Volksbegehren und die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit (G 9) anstrebt, denken selbst frühere Verfechter von G 8 wie die FDP laut über eine Reform nach.

Für die gewählten NRW-Schülervertreter, Sprecher für rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in NRW, ist diese Kehrtwende längst überfällig. Koch zählt auf: „Schon in der Unterstufe gibt es Nachmittagsunterricht, an manchen Tagen kommt man um Viertel vor sechs und damit nach den in Vollzeit beschäftigten Eltern nach Hause.“ Ehrenämter leiden, gelernt werde für die nächste Klausurphase. An der Schule komme etwa die Berufsberatung zu kurz. „Man verlässt oft nicht mal volljährig die Schule und weiß noch nicht so genau, was jetzt kommt“, sagt der früher auch beim SPD-Nachwuchs Jusos Aktive.

Bis zum Sommer habe er selbst ein reguläres Gymnasium in Krefeld besucht, sagt der 16-Jährige, nun hat er zu einem beruflichen Gymnasium mit drei Jahren Oberstufe gewechselt. „Jetzt haben wir auch mal zwei Wochen Zeit, um in ein Thema hineinzukommen, statt gleich in die Klausurvorbereitung zu gehen.“

Die Landesschülervertretung setzt sich für ein Konzept ein, bei dem die gymnasiale Oberstufe zwischen zwei und vier Jahre andauern soll. Die zehnte Klasse soll Teil der Mittelstufe sein, was den Stundenplan entzerren soll. Es folgen eine einjährige Einführungsphase und zwei Jahre bis zum Abitur (G 9). Wer das Einführungsjahr nicht benötigt, kann es überspringen und nach acht Jahren Abitur machen. Wer etwas mehr Zeit braucht, bekommt ein 14. Jahr. Der Reformvorschlag der SPD geht in eine ähnliche Richtung, ohne ein 14. Schuljahr zu berücksichtigen

Koch appelliert an die Parteien und die Regierung, die Schülervertretung stärker an Entscheidungen zur Schulpolitik zu beteiligen. Eine Ar­beitsgruppe, in der Jugendliche, Behörden und Politik die Entwicklung von G 8 begleiten, habe zuletzt im Mai 2015 getagt.

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