NRW-Polizei klärt nur jeden siebten Wohnungseinbruch auf

Die Polizei in NRW ist mit der Aufklärung von Wohnungseinbrüchen offenbar überfordert.
Die Polizei in NRW ist mit der Aufklärung von Wohnungseinbrüchen offenbar überfordert.
Foto: Thomas Nitsche
Schlecht gepflegte Datenbanken, vernachlässigte Akten, veraltete Fahndungsfotos: Die Polizei in NRW ist mit der Aufklärung von Wohnungseinbrüchen heillos überfordert. Nur jeder siebte Fall wird aufgeklärt. Eine Expertenkommission hat nun Vorschläge erarbeitet, wie die Quote verbessert werden kann.

Essen. Die NRW-Polizei kann nur jeden siebten Wohnungseinbruch aufklären – und deren Zahl steigt stetig: Mit fast 30 000 im ersten Halbjahr 2012 waren das 12 Prozent mehr als im Jahr davor.

Jetzt hat eine von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) eingerichtete Kommission ermittelt, warum der Kampf gegen die Einbrecherbanden so schwer fällt. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ kommen die Beamten des Landeskriminalamtes und der Kreispolizeibehörden zur Einsicht, dass es viel zu oft behördeninterne Hürden und ein unkoordiniertes Nebeneinander gibt, was den Erfolg vermasselt. Das Landesinnenministerium bestätigte den Report der "Arbeitsgruppe Bekämpfung mobile Intensivtäter Eigentumskriminalität" gegenüber der WAZ Mediengruppe.

Schlecht gepflegte Datenbanken, vernachlässigte Kriminalakten

Im Detail: Die Datenbanken würden schlecht gepflegt, die Kriminalakten vernachlässigt, erkennungsdienstliche Instrumente wie Fotos oder Fingerabdrücke nicht aktualisiert.

Vor allem aber: Die verschiedenen Polizeidienststellen im Land glichen ihre Erkenntnisse nicht miteinander ab. Vor Ort werde deshalb eine Tat oft als Lappalie gewertet, die in einem größeren Zusammenhang einem hochkriminellen Vorgehen zugeordnet werden könnte.

Harmlose Ersttäter, die Wirklichkeit Seriendiebe sind

Harmlose Ersttäter seien in Wirklichkeit Seriendiebe. Weil die Verfahren aber nicht bei einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft bearbeitet würden, sondern nach dem Tatortprinzip über das ganze Land zerstreut ermittelt werden, würden die Einbrecherbanden glimpflich mit „Mindestmaßnahmen“ davon kommen.

Unterm Strich: In Nordrhein-Westfalen gebe es einen „zu geringen Fahndungsdruck“.

Zentralstelle soll Überblick über Täter verschaffen

Die Besserungsvorschläge der 15-köpfigen Untersuchungstruppe haben es in sich. Nicht nur eine Zentralstelle soll dafür sorgen, dass der Überblick über marodierende Täter behalten wird. Auch soll HighTech eingesetzt werden, unter anderem einem Gesichtserkennungs-Software.

Deren Zweck: Bilder von Autofahrern aus Verkehrsüberwachungskameras sollen automatisch mit den „Porträts“ aus der Intensivtäter-Datei abgeglichen werden. Unabhängig davon, ob dies die Datenschutzbeauftragten durchgehen lassen würden: Schon die Realisierung scheint nicht leicht, denn laut Bericht sollen Düsseldorfer Zivilfahndern nicht einmal heute genügend Kameras und Fotoapparate zur Verfügung stehen.

Besonders leiden Bürger in den Großstädten unter den meist osteuropäischen Banden, die „auf Durchreise“ abräumen, wie aus mehreren Berichten des Landesinnenministeriums hervorgeht. Das liegt auch an den schnell erreichbaren Autobahnen im Ballungsgebiet. So sind Düsseldorf und Köln – was Wohnungseinbrüche angeht – die unsichersten Kommunen. Vorn liegen zudem Oberhausen, Recklinghausen, Duisburg, der Kreis Mettmann und Essen. In Bochum und Gelsenkirchen hatten die Einbrüche im Lauf des letzten Jahres besonders sprunghaft zugenommen.

Polizei startet Großrazzia gegen Einbrecher 

Mit groß angelegten Durchsuchungen und Fahrzeugkontrollen ist die Polizei am Donnerstag im Rheinland und am Niederrhein gegen mutmaßliche Einbrecherbanden vorgegangen. An der konzertierten Aktion unter dem Motto "Riegel vor im Rheinland" waren mehr als 2.000 Polizisten beteiligt, wie das NRW-Innenministerium in Düsseldorf mitteilte. 18 Wohnungen und Häuser wurden durchsucht, zahlreiche Personen wurden festgenommen.

Ziel der Aktion war es, Wohnungseinbrecher zu überführen und weitere Erkenntnisse über Strukturen von Einbrecherbanden zu sammeln und auszuwerten. Schwerpunktmäßig standen nach Polizeiangaben südosteuropäische Täter im Fokus. So wurden in Köln zwei Übergangswohnheime in den frühen Morgenstunden auf Diebesgut und andere Beweismittel durchsucht. Acht Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, gegen vier der Beschuldigten lag ein Haftbefehl wegen Wohnungseinbruchs vor. Zeitgleich gab es Aktionen unter anderem in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Mönchengladbach und Köln.

Täter flüchten oft ins Ausland

Die Maßnahmen zeigten "eindrucksvoll", dass entschlossen gegen Wohnungseinbrecher vorgegangen werde, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). "Die Ermittler wissen, dass ein Großteil der Straftaten durch professionell agierende und überörtlich tätige südosteuropäische Banden begangen wird. Sie kommen und flüchten nach den Einbrüchen über Autobahnen und Bundesstraßen", erklärte der Minister.

Eine von mehreren groß angelegten Verkehrskontrollen gab es an der Raststätte Frechen-Süd. Die Autobahn 4 und ihre Raststätten und Parkplätze hätten sich aus kriminalpolizeilicher Sicht als beliebter Umschlagplatz für Diebesgut und als Treffpunkte für Straftäter herauskristallisiert, sagte ein Polizeisprecher.

Bilanz soll am Freitag vorgestellt werden

Eine Gesamtbilanz des Einsatzes, der am Donnerstagnachmittag noch nicht beendet war, soll am Freitag vom Polizeipräsidium in Köln vorgestellt werden.

Die Polizei in NRW setzte damit ihre Aktionen gegen Wohnungseinbrecher fort. Bereits Mitte November hatten die Behörden im Ruhrgebiet mehr als 120 Wohnungen durchsucht. Dabei wurden fünf Tatverdächtige festgenommen und zahlreiche Beweismittel sichergestellt. (mit dapd)