NRW-Kliniken gehen gegen Killerkeime in die Offensive

Die Handdesinfektion zählt zu den wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Krankheitserreger in Kliniken.
Die Handdesinfektion zählt zu den wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Krankheitserreger in Kliniken.
Foto: dpa
Nordrhein-Westfalens Krankenhäuser wollen mit einer Imagekampagne der weit verbreiteten Angst vor den so genannten resistenten Erregern entgegenwirken.

Essen/Düsseldorf. Der Kampf gegen die Killerkeime bringt sie zusammen: Nordrhein-Westfalens Krankenhäuser wollen mit einer eigenen Imagekampagne der in der Bevölkerung weit verbreiteten Angst vor den so genannten resistenten Erregern entgegenwirken.

Der Auftakt der Initiative am Dienstag in Düsseldorf ist prominent besetzt. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) schaut persönlich vorbei. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen und wird zum Start per Videobotschaft zugeschaltet.

Kliniken stehen in der Kritik

Es geht ums Image in einem sensiblen Bereich. 10. 000 bis 15 .000 Todesfälle gehen laut Expertenschätzungen jährlich auf das Konto multiresistenter Krankenhauskeime. Die Gründe für die dramatische Entwicklung sind vielfältig. Die zunehmende Wirkungslosigkeit von Antibiotika infolge ihres hemmungslosen Einsatzes in der Viehmast gilt als eine Hauptursache. Doch auch die deutschen Krankenhäuser stehen in der Kritik, es in Sachen Hygiene nicht immer so genau zu nehmen, wie es möglich wäre, und Patienten in der Aufklärung über Infektionsrisiken allzu oft allein zu lassen.

„Gemeinsam Gesundheit schützen. Keine Keime. Keine Chance für multiresistente Erreger“ heißt denn auch die von der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen angestoßene Hygiene-Initiative. Viel mehr als aufklären können die NRW-Kliniken mit derlei Maßnahmen freilich nicht.

Verhandlungen über mehr Hygienepersonal

Konkreter wird da schon ein internes Papier von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), das noch im Bundeskabinett beraten werden muss, aber unserer Redaktion bereits vorliegt. Von 400. 000 bis 600. 000 „behandlungsassoziierten Infektionen“ pro Jahr in Deutschland ist darin die Rede. Immerhin ein Drittel davon sei „durch geeignete Maßnahmen vermeidbar“. Doch noch immer, so das Gröhe-Papier, würden die Themen Hygiene, Qualitätssicherung und Transparenz „nicht mit der nötigen Priorität angegangen“.

Gröhe möchte die Hygienestandards in den Kliniken erhöhen und mit den Ländern über mehr Hygienepersonal verhandeln. Außerdem sollen die Kliniken verpflichtet werden, Patienten verständlich über die Hygienezustände in der Klinik zu informieren. Auch die Meldepflichten zur Früherkennung resistenter Erreger sollen verschärft werden. Zudem will Gröhe Ärzte und Pflegekräfte verbindlich in Fortbildungen schicken.

Frage der Finanzierung noch ungeklärt

Viele Punkte in dem Papier klingen schwer nach einer Klatsche für die Krankenhäuser. Auch die Bundesländer, verantwortlich für die Organisation des Krankenhauswesens, dürfen sich angesprochen fühlen. Postwendend reagierte denn auch NRW-Gesundheitsministerin Steffens. „Wir benötigen dringend mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern“, sagte Steffens Montag dieser Zeitung. Der Bund müsse aber die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Krankenhäuser dies auch erfüllen könnten.

Steffens: „Die besten Hygieneregeln nützen doch nichts, wenn Pflegekräfte stark überfordert werden.“ Gröhe könne durch einen angemessenen Pflegekraft-Patienten-Schlüssel hier schnell für Veränderung sorgen.

Kritik kam auch aus der Ärzteschaft. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, attestierte dem Plan einen Mangel an „tragfähigen Vorschlägen für eine solide Finanzierung“. Sie müssten zeitgleich verabschiedet werden, „sonst bleibt alles nur bloße Willenserklärung.“

 
 

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