NRW-Handwerk warnt vor Zwangsabgabe

Düsseldorf..  Das NRW-Handwerk hat die rot-grüne Landesregierung vor der Einführung einer Ausbildungsabgabe für Betriebe ohne Lehrlinge gewarnt. „Die Landesregierung macht den Riesenfehler, der Wirtschaft gegenüber diese Zwangsabgabe als Drohkulisse zu inszenieren“, sagte NRW-Handwerkspräsident Andreas Ehlert gestern. Unternehmer, die oft vergeblich nach ausbildungsfähigem Nachwuchs suchten, dürften nicht auch noch bestraft werden. „Wir nehmen jeden, der geeignet ist und in die Betriebsabläufe passt, mit Kusshand“, so Ehlert.

Die Landesregierung sucht nach zuletzt rückläufigen Zahlen bei den Ausbildungsverträgen in NRW mit Vertretern aus Wirtschaft, Kommunen, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften nach Wegen aus der Misere. Im vergangenen Jahr verzeichnete man nur noch 116 000 Ausbildungsverträge – so wenige wie auf dem Tiefpunkt 2006. Trotz des gewachsenen Fachkräftebedarfs in einigen Branchen und Regionen gingen bei der Lehrstellensuche mehr als 6600 Jugendliche leer aus.

Ein Sprecher der Landesregierung trat jedoch auf Anfrage dem Eindruck entgegen, dass eine Vorentscheidung zur Einführung einer Ausbildungsabgabe gefallen sei: „Ziel ist es, dass die Unternehmen 2015 deutlich mehr Ausbildungsverträge abschließen als im Vorjahr.“ In Arbeitsgruppen werde zurzeit erörtert, welche Instrumente zielführend seien. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) habe deutlich gemacht, dass dringend konkrete Maßnahmen notwendig seien, damit alle Schulabgänger eine verlässliche Perspektive bekämen.

Der Handlungsdruck ist enorm: Im Koalitionsvertrag haben SPD und Grüne eine „Ausbildungsplatzgarantie“ für alle versprochen. Davon ist man weit entfernt. Diskutiert wird offenbar eine Kammerumlage, die regional einen finanziellen Ausgleich zwischen Ausbildungsbetrieben und Unternehmen ohne Lehrstellen schafft und zur Einstellung junger Leute motivieren soll.

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