NRW für leichtere Umwandlung von Konfessions-Schulen

Noch ist jede dritte Grundschule in Nordrhein-Westfalen konfessionell geprägt. Eine Umwandlung in Gemeinschaftsgrundschulen soll erleichtert werden.
Noch ist jede dritte Grundschule in Nordrhein-Westfalen konfessionell geprägt. Eine Umwandlung in Gemeinschaftsgrundschulen soll erleichtert werden.
Foto: dpa
Die NRW-Regierung will die Umwandlung von Bekenntnisschulen in Konfessionslose Schulen erleichtern. Die Entscheidung soll aber bei den Eltern liegen.

Düsseldorf. Über die erleichterte Umwandlung von Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsgrundschulen haben sich die NRW-Landtagsfraktionen von SPD und Grünen mit den zuständigen Bistümern und Landeskirchen verständigt. Eine entsprechende Gesetzesänderung soll nächste Woche in den Landtag eingebracht werden.

„Der nun vorliegende Gesetzentwurf ist ein gutes Ergebnis, da dieses einvernehmlich von den Kirchen mitgetragen wird“, sagte SPD-Schulexpertin Renate Hendricks. Künftig können die 881 katholischen und 75 evangelischen Bekenntnisschulen in konfessionslose Grundschulen umgewandelt werden, wenn mehr als die Hälfte der Eltern dafür stimmen. Bislang war eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Schon zehn Prozent der Elternschaft einer Schule können die Befragung beantragen. Bisher waren 20 Prozent erforderlich.

"Gesellschaftliche Realität hat sich verändert"

Zudem bekommen die Kommunen als Schulträger ein Initiativrecht und können eine Elternabstimmung selbst in Gang setzen. Dies sei für die lokale Schulentwicklungsplanung von Bedeutung, sagte Hendricks. Die Bekenntnisschulen müssen sich unabhängig davon künftig bei der Lehrerauswahl öffnen: Wenn es um die Sicherung der Unterrichtsversorgung geht, müssen stellvertretende Schulleitungen und das Kollegium nicht mehr zwingend der Religion der Schule angehören. Bislang fiel an Bekenntnisschulen der Unterricht aus, wenn Lehrer mit der richtigen Religionszugehörigkeit fehlten.

„Die gesellschaftliche Realität hat sich längst verändert. Die Zahl der Kinder, die dem katholischen oder evangelischen Glauben angehören, sinkt“, so Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer. 36,8 Prozent der Grundschulkinder in NRW sind noch katholisch getauft, 24,6 Prozent evangelisch. 17 Prozent sind konfessionslos und 16,2 Prozent islamischen Glaubens. Tendenz steigend.

Bistum erwartet keine Umwandlungswelle

Das katholische Bistum Essen erwartet keine Welle von Umwandlungen. „Für uns ist es wichtig, dass dem Elternwillen Rechnung getragen wird. Wenn die Bekenntnisschule nicht mehr von einer Mehrheit gewünscht wird, müssten wir das leider akzeptieren“, erklärte ein Bistumssprecher. Deshalb hätten die Bistümer und Landeskirchen auch Einvernehmen mit SPD und Grünen über die Reform erzielt.

Im Bistum Essen geht man davon aus, dass die verbliebenen Bekenntnisschulen mehrheitlich von den Eltern weiterhin gewollt werden. Im Ruhrbistum gibt es noch 63 von ihnen, vor zehn Jahren waren es noch 90. Wo die katholischen Schülerzahlen zu stark rückläufig waren, reagierten die Städte bereits mit Zusammenlegungen oder Schließungen. Allein in Gelsenkirchen verlor man 2006 sieben von acht Bekenntnisschulen. Landesweit waren an katholischen Grundschulen 2012 nur noch 57 Prozent der Schüler katholisch, an evangelischen Grundschulen kaum mehr 44 Prozent.

Staat bezahlt für Bekenntnisschulen

Ähnlich sieht es auf protestantischer Seite aus. „Zuwanderung und wachsende Mobilität haben die konfessionelle Landkarte deutlich verändert“, heißt es etwa bei der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Deshalb sei es richtig, die Umwandlung von Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen und umgekehrt deutlich zu vereinfachen. Richtig sei auch, dass der Gesetzentwurf am klaren konfessionellen Profil von Bekenntnisschulen festhält.

Da die Bekenntnisschulen zu 100 Prozent vom Staat finanziert werden, waren die Privilegien der großen Kirchen in fast jeder dritten Grundschule in NRW zuletzt immer häufiger in Frage gestellt worden. Zumal 75 der 396 Kommunen ausschließlich über Bekenntnisschulen verfügen. Die Frage der Aufnahme aller Kinder unabhängig von ihrem Glauben hatte vor Ort ebenso für Ärger gesorgt wie die verpflichtende Glaubenserziehung oder der Ausschluss religionsloser Lehrer.

 
 

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